Morgen bin ich ein Löwe

Arnhild Lauveng

Wie ich die Schizophrenie besiegte

Dieses Buch ist weit mehr als ein bloßer Erfahrungsbericht. Arnhild Lauveng gibt durch die Aufarbeitung ihrer Erlebnisse einen aufschlussreichen Einblick in die Bedingungen, die sie gesunden haben lassen.

Wölfe mit gelben Zähnen und fauligem Atmen, ein Kapitän, der zunächst seinen Schutz anbietet, seine Persönlichkeit jedoch wandelt und plötzlich eine Herrschaft aus Angst und Kontrolle führt. Häuser, die groß werden wie Berge und andere, teils furchterregende Geschöpfe begegnen uns wie auf einer Reise durch ein Fabelland.

Die Autorin erkrankt in jungen Jahren an Schizophrenie

Tatsächlich handelt es sich um die Geschichte Arnhild Lauvengs, die uns mitnimmt, mitreißt in der Erzählung ihrer Lebens- und Krankengeschichte. Sie erkrankt bereits im Jugendalter an Schizophrenie und wird als unheilbar diagnostiziert. Wie der Titel bereits verrät, erzählt sie jedoch auch die Geschichte ihrer Genesung.

Doch sie erreicht das Unglaubliche: ihre vollständige Heilung. Und noch weit mehr gelingt ihr: Sie arbeitet nun als Klinische Psychologin und gibt ihr Wissen auf diesem Weg weiter. Nicht zuletzt dadurch ist dieses Buch weit mehr als ein bloßer Erfahrungsbericht. Arnhild Lauveng gibt durch die Aufarbeitung ihrer Erlebnisse einen aufschlussreichen Einblick in die Bedingungen, die sie gesunden haben lassen.

Wie erlebe ich meine psychische Erkrankung?

Die Autorin spricht mit einer großen Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit die zentralen Fragen in Bezug auf eine psychischen Erkrankung an: „Wie erlebe ich meine psychische Erkrankung? Was können mir meine Symptome sagen? Was hilft mir auf dem Weg der Genesung?“

Ihr bedeutendster Rettungsanker ist die Hoffnung, die sie selbst unter den widrigsten Umständen nicht verliert, weil diese Art der Wahrheit „... am gesündesten ist und am wenigsten wehtut. Und weil sie nicht ausschließt, dass Wunder tatsächlich hin und wieder geschehen.“ (S 106) In diesem Zusammenhang steht für sie immer wieder der notwendige Blick auf die eigenen gesunden Anteile und die Möglichkeit, aus eigener Kraft der Krankheit zu begegnen.

Festhalten als Selbstschutz

Sehr anschaulich widmet sie sich auch der vielzitierten fehlenden Krankheitseinsicht, die von Angehörigen oftmals als sehr behindernd im Annehmen von Hilfsangeboten gesehen wird. Das Festhalten an dem Glauben an die tatsächliche Existenz von Sinneseindrücken betrachtet sie als wichtigen Selbstschutz davor, sich nicht eingestehen zu müssen, wirklich verrückt zu sein.

Nach eigener genauer Betrachtung sind ihre Symptome „...wichtige, richtige Wahrheiten, ausgedrückt vielleicht auf eine etwas plumpe, unbeholfene Weise, wie man es auch in Träumen tut.“ (S 41) Dabei erkennt sie, dass diese Symptome Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse sind und kann sie auf diese Weise schließlich abschütteln.

Schlussendlich zeigt sie auf, welche Form der Unterstützung sie am Weg zur Genesung erhalten hat, aber auch was sie zusätzlich gebraucht hätte. Dieses Buch ist sowohl für Angehörige wie auch für professionelle Helfer eine wunderbare Möglichkeit, in die Wünsche und Bedürfnisse einzutauchen, die sich für Arnhild Lauveng im Zuge ihrer Erkrankung ergeben haben.