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Andreas Knuf

Widerstand ist zwecklos

Cover Buch

Wie unser Leben leichter wird, wenn wir es annehmen, wie es ist

Vielleicht erinnern sich manche LeserInnen des KONTAKT an die Umfrage, die der Psychotherapeut und bekannte Buch-Autor Andreas Knuf vor zwei Jahren in Vorbereitung zu seinem nun erschienen Buch „Widerstand ist zwecklos“ gemacht hat: Er hatte Personen, die Leid erfahren haben, gebeten, ihm zu erzählen, wie ihnen die Akzeptanz von schwierigen Lebenssituationen und Krankheiten gelungen ist. Diese Berichte - vielleicht auch Ihre Rückmeldungen als Angehörige eines psychisch erkrankten Menschen - sind in seine Ausführungen im vorliegenden Band mit eingeflossen.

Wie passend, dass mich die Lektüre des neuen Buches von Andreas Knuf zum Thema „Annehmen“ während eines wiederholten schweren grippalen Infekts traf – so wurde das Gesetz des Widerstands „Alles, was wir ablehnen, wird durch unsere ablehnende Haltung noch mächtiger.“ (S. 29) in dieser Situation nicht nur psychologisch sondern auch sehr körperlich für mich spürbar. 

Buch gegen den Zeitgeist der Leistungsgesellschaft

Ein Buch über das Annehmen von Leid ist ein Buch gegen den Zeitgeist der Leistungsgesellschaft, also ein sehr „widerständiges“ Buch. Misserfolg, Verlust, Krankheit, Alter, Tod – alle diese natürlichen menschlichen Erfahrungen müssen in einer Zeit der Selbstoptimierung („Geht nicht, gibt’s nicht.“) abgewehrt werden, der Preis dafür ist hoch.  Wir alle kennen diese Erfahrung: Gedanken, Gefühle, sogar Krankheitssymptome verstärken sich, wenn wir sie ablehnen bzw. gegen sie ankämpfen. A. Knuf beschreibt es am einfachen Beispiel der zu Boden gefallen Tasse: Wenn der Ärger auf sich selbst in dem Sinn - „Wie kann man nur so blöd sein, die schöne Tasse kaputt zu machen.“ - dazu kommt, wird die ohnehin schon unangenehme Situation durch die eigene „Zugabe“ der Selbstentwertung gleich doppelt belastend.

Nehmen, was gegeben ist

Annehmen heißt „Nehmen, was gegeben ist.“ (S. 45), das ist oft sehr schmerzhaft. Nicht nur äußere Widerstände, vor allem innere Hindernisse gibt es auf dem Weg des Annehmens zu überwinden. Der Autor erwähnt einige Glaubenssätze bzw. Lebensprinzipien, die wir als stimmig anerkennen und nicht mehr hinterfragen, die aber die Akzeptanz von vielen Lebenssituationen erschweren. „Das Leben muss so laufen, wie ich es haben will. Ich habe einen Anspruch auf ein angenehmes Leben. Es muss gerecht zugehen. Ich muss mein Leben im Griff haben. Ich habe ein Recht darauf, dass meine Wünsche in Erfüllung gehen. Ich weiß es am besten, was mich glücklich macht. Nur wenn mein Leben so läuft, wie ich es mir vorstelle, ist es erfüllt und sinnvoll. Ich muss alles unter Kontrolle haben.“ Fühlen Sie bei manchen dieser Aussagen auch so einen Widerstand, der laut keppelt: „Aber sicher, das hat doch so zu sein!“ Hier hilft uns dann nur die „Akzeptanz der Nicht-Akzeptanz“, wenn wir unser Nicht-Akzeptieren-Wollen akzeptieren, spüren wir, wie unsere Empfindungen bereits weicher und ruhiger werden.

Das Vergangene ist vergangen 

Viele Angehörige und von psychische Erkrankung selbst Betroffene kennen die Erfahrung, dass sie die Vergangenheit nicht ruhen lassen können. Immer wieder tauchen Selbstanklagen und Anklagen zu längst vergangenen Ereignissen auf: „Warum habe ich damals nur…? „Wieso habe ich nicht…?“ „Ich hätte doch wissen müssen…!“ Dazu im Kapitel: Das Vergangene ist vergangen ist vergangen:

Schuldgefühle haben so gut wie keine positive Funktion, sie halten uns in destruktiven Beziehungen und legen einen erdrückenden Schleier über uns und unser weiteres Leben. Evolutionär mögen sie sinnvoll sein, denn sie schützen die Gruppe davor, dass Einzelne sich nicht an die Regeln halten und anderen schaden. Doch die meisten Vorwürfe, die wir uns machen, sind vollkommen unbegründet; sie sind unfair und belasten uns. Wirkliche Schuld laden wir dann auf uns, wenn wir absichtlich etwas tun, was anderen Menschen oder Wesen schadet, und wenn wir eine Möglichkeit gehabt hätten, uns anders zu verhalten. Das ist bei fast allen Schuldgefühlen, die wir haben, aber gar nicht der Fall. Meistens wollen wir dem anderen nicht absichtlich schaden und eine Handlungsalternative gab es vielfach nicht. Sowohl Schuldgefühle als auch Selbstanklage haben zur Folge, dass die Vergangenheit <lebendig> bleibt und nicht losgelassen werden kann.“ (S. 85)

Der Autor führt uns auf der Reise des Sich-und-andere-nicht-mehr-Verurteilens wie schon häufig in seinen letzten Büchern vermehrt in eine spirituelle Sphäre hin zu einer meditativen Grundhaltung dem Leben gegenüber. Die Grundaussage bleibt sehr bodenständig: Wir sind hier nicht bei „wünsch Dir was“ – sondern bei „so isses“.

Für Sie rezensiert: Daniela Schreyer

Autor: Andreas Knuf
Verlag: Kösel-Verlag, München, 2018
ISBN: 978-3466347124

 

 

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