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Johannes Jungbauer, Katharina Heitmann

Unsichtbare Narben

Cover Buch

Erwachsene Kinder psychisch erkrankter Eltern berichten

„Deine Mutter ist krank – sie kann nichts dafür!“ – mit dieser entschuldigenden Einstellung gegenüber dem oft sehr schädlichen Verhalten des erkrankten Elternteils waren einige der nun erwachsenen „Kinder“, die ihre Geschichte in der vorliegenden Zusammenstellung von Erfahrungsberichten erzählen, von den Erwachsenen in ihrem Umfeld immer wieder konfrontiert. Ein Satz, der nur empören kann, wenn man sich die Belastungen vor Augen führt, mit denen diese Menschen in ihrer Kindheit und Jugend konfrontiert waren. Ein Satz, der einfach nur fehl am Platz ist, denn verstehen müssen diese Kinder von Anfang an das Unmöglichste und tun es sogar!

Die 11 Frauen und Männer unterschiedlichen Alters, die hier ihre Geschichte erzählen, sind Überlebende dieser Kindheiten, das „Erzählen hat den Charakter von Biografiearbeit – es gleicht einem mühevollen Ringen um Sinn, Identität und Versöhnung.“ (S, 9) Sie sprechen von der kompletten Überforderung mit den alltäglichen Katastrophen, von ihrer Einsamkeit, den vertauschen Rollen in der Familie und ihren Unsicherheiten in kranken, absurden und grenzverletzenden Beziehungen. Sie sprechen von ihren Sehnsüchten nach Normalität, nach Rückzugsorten und dem Wunsch nach Abstand von ihrer Herkunftsfamilie. Sie sprechen von ihren eigenen psychischen Problemen und dem Umgang damit, aber auch vom Funktionieren in Extremsituationen und von den damit gewonnenen Stärken. Nicht zuletzt sprechen sie von ihrem Stolz darauf, trotz allem viel in ihrem Leben erreicht zu haben und – oft durch Unterstützung von außen - aus der Distanz ihre Kindheit auch annehmen zu können.

Die Entscheidung zum eigenen Leben – „Jetzt bin ich dran!“ – bringt oft die wichtigste Wende in den Geschichten, ebenso wie das Brechen des Schweigens. Katharina: „Vertrauen Sie Ihrer Wahrnehmung. Erzählen Sie anderen von Ihren Gefühlen. Bleiben Sie nicht isoliert. Geben Sie, so wie ich auch, die Hoffnung nicht auf!“ (S. 29

Ein Buch, das sich primär an Betroffene und ihre Familien richtet, das aber ganz besonders in die Hände und Köpfe von jenen Professionellen gehört, die bei der Behandlung der erkrankten Personen noch immer zu oft auf die Bedürfnisse der Kinder vergessen.


Für Sie rezensiert: Daniela Schreyer


AutorInnen:
Johannes Jungbauer, Katharina Heitmann
Verlag: Balance Buch + Medien Verlag, Köln 2018
ISBN: 978-3867391702

 

 

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