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Janine Berg - Peer

Moderation von Selbsthilfegruppen. Ein Leitfaden

Die Autorin Janin Berg-Peer, selbst erfahrene Mutter einer psychisch erkrankten Tochter, geht in ihrem neu erschienenen Buch sehr konkret auf das Thema ein, das auch das Motto von HPE ist, nämlich „Hilfe für Angehörige von psychisch Erkrankten“.

Sie bezeichnet es als „Leitfaden“, und tatsächlich listet es in systematischem Aufbau eine Vielzahl von Fakten auf, die im Zusammenhang mit Selbsthilfegruppen auftauchen können. Die Hauptzielgruppe sind ehrenamtlich engagierte Laien-ModeratorInnen. Aber auch professionelle ModeratorInnen und alle anderen TeilnehmerInnen sind angesprochen, sich immer wieder Gedanken zu machen, um so manches auszuprobieren oder auch neu zu gestalten. Denn im Idealfall können Selbsthilfegruppen:

  • Trost und Erleichterung spenden und gegen Isolation wirken
  • Kompetenz und Autonomie erweitern und somit, wenn notwendig,
  • Situations- und Verhaltensveränderungen zum Positiven wenden, die sich ebenfalls
  • innerhalb der Familie, also auch im Umgang mit den eigenen erkrankten Angehörigen positiv auswirken.

Damit es ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe wird, sind allerdings einige Regeln für alle TeilnehmerInnen zu beachten, wie das Einhalten der garantierten Vertraulichkeit aller persönlichen Fakten, Rücksichtnahme auf die anderen Teilnehmer bei der Redezeit, aber auch ausreden lassen. 

ModeratorInnen als Vorbilder

Speziell für die ModeratorInnen gilt aber auch: Regeln sind gut, vorbildliches Beispiel ist besser: Allem voran wichtig ist offenes Zugehen auf die TeilnehmerInnen mit Verständnis und vorurteilsloser Akzeptanz. Ganz wichtig ist es, nicht wertend, aber immer wertschätzend auf jeden Beitrag zu reagieren.

Bei der gemeinsamen Suche nach Lösungen wird es auch manchmal notwendig sein, einen gewissen Mut zu entwickeln, Probleme, die im Moment unlösbar erscheinen, im Raum stehen zu lassen und gemeinsam mit-zu-ertragen. Je belasteter die Teilnehmer sind, desto behutsamer ist mit ihnen umzugehen. Es ist oft hilfreich bzw. notwendig, speziell bei Meinungsverschiedenheiten, die „Sache“ von der „Person“ zu trennen.

Bei aller Empathie erleichtert eine gewisse Wahrung der Distanz oft eine bessere Lösungsfindung. Dabei ist es besonders wichtig immer bei sich zu bleiben, also mit „Ich-Botschaften“ statt mit sogenannten berüchtigten „Rat-Schlägen“ zu arbeiten und auch die GruppenteilnehmerInnen immer wieder vorsichtig darauf hinzuweisen, und zwar im Ton stets freundlich, aber bestimmt.

Umfassendes Handwerkszeug

In zahlreichen Beispielen zeigt sich die große Erfahrung der Autorin, speziell auch in Bezug auf Konfliktsituationen und insbesondere im Umgang mit heiklen Themen, wie Suizid, sexuelle Intimität, Alter und eigene Erkrankung. Dazu sowie auch zu den praktischen Erfordernissen einer Gründung und Führung einer Selbsthilfegruppe wird außerdem jede Menge hilfreiches Downloadmaterial angeboten, und zwar unter

auf der Website des Psychiatrie Verlages

Mit diesem umfassenden Handwerkszeug gerüstet kann - gefühlt – gar nichts mehr schief gehen. Ich persönlich musste ja mangels solcher Hilfen den Weg des „learning by doing“ gehen, finde mich aber jedenfalls in meiner Arbeit als langjährige ehrenamtliche Selbsthilfegruppen-Moderatorin bestätigt. Ich hoffe sehr, dass sich anhand dieses Buches, das den Einstieg wesentlich erleichtern kann, bald NachfolgerInnen finden, die in meine Fußstapfen treten.

Von Erfahrung profitieren

In ihrem Schlusswort äußert die Autorin, der ich hiermit meinen ganz großen Dank ausdrücken möchte, folgenden Wunsch, dem ich mich gerne anschließe: „Ich wünsche mir, dass Sie von den Vorschlägen, Anregungen, Gedanken und Hinweisen profitieren und sich ermutigt fühlen, eine Selbsthilfegruppe zu initiieren – die Arbeit wird sich lohnen: Sie unterstützen nicht nur Menschen, die mit ihrer Situation oft alleingelassen werden, sondern eine solche Gruppenmoderation wird auch für Sie selbst ein Gewinn sein. Sie erfahren viel über die Gefühle und Probleme anderer Menschen aus dem psychiatrischen Umfeld, aber auch über ihre Bewältigungsstrategien. Gleichzeitig lernen Sie, mit schwierigen Situationen in einer Gruppe souverän umzugehen, und - last but not least – können Sie in einer solchen Gruppe Freundschaften schließen und auch vergnügte Stunden miteinander verbringen.“

Für Sie rezensiert: Mag. Hedwig Nechtelberger

 

Autor: Janine Berg - PeerVerlag: Psychiatrie Verlag 2016ISBN: 978-3884146514

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