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Michael Büge

Cannabiskonsum und psychische Störungen

Cover Buch

Komorbidität, Doppeldiagnosen oder „Double Trouble“ - es gibt verschiedene Bezeichnungen für das gleichzeitige Vorliegen einer psychischen Störung und eines Suchtproblems. Diese doppelte Betroffenheit, die auch in der letztjährigen Angehörigentagung der HPE („Weg aus der Abhängigkeit) thematisiert wurde, stellt alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen. In der Reihe „Basiswissen“ des Psychiatrie-Verlags ist nun ein Buch erschienen, das sich speziell mit den Wechselwirkungen zwischen Cannabiskonsum und psychischen Störungen beschäftigt.

Risiken der „Alltagsdroge“ Cannabis

Als weltweit am weitesten verbreitete illegale Droge wird Cannabis in allen Gesellschaftsschichten und in fast allen Altersgruppen konsumiert. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die „Alltagsdroge“ Cannabis auch von Menschen mit psychischen Problemen konsumiert wird. Welche Risiken damit verbunden sind, weiß der Autor Michael Büge aus seiner Erfahrung als Psychotherapeut in einer Berliner Suchtberatungsstelle. Er geht nicht nur auf aktuelle Forschungsergebnisse ein, sondern beschreibt auch unterschiedliche Fallbeispiele aus der Praxis.

Ein eigenes Kapitel ist den Fragen aus dem Alltag gewidmet,
zum Beispiel:  "Macht Kiffen dumm?" oder "Cannabis statt Psychopharmaka?“. Man erhält Grundinformationen zu Cannabis, der Entstehung von Sucht und zu Wechselwirkungen des Cannabiskonsums mit verschiedenen psychischen Erkrankungen. Der Schwerpunkt liegt auf der Wechselwirkung zwischen Cannabis und Psychosen. Dem Autor gelingt es, diese komplexen Problembereiche auf wenigen Seiten und auf verständliche Weise zu erklären.

 

Die jungen Wilden

Es gibt zwar einige gesicherte Zusammenhänge, zum Beispiel: Cannabiskonsum erhöht das Psychoserisiko, senkt außerdem die Wirkung von Antidepressiva und Antipsychotika). Trotzdem ist es in der Arbeit mit den KlientInnen immer erforderlich, die individuellen Bedingungen herauszuarbeiten.

Als spezielle Gruppe von KlientInnen werden die „jungen Wilden“ (S. 92) beschrieben. Damit sind Jugendliche und junge Erwachsene gemeint, die häufig den Rahmen psychiatrischer Einrichtungen sprengen – sie haben einige wichtige Entwicklungsaufgaben noch nicht erfüllt, zeigen adoleszente Verhaltensweisen wie „Rückzug, Rebellion oder Risikoverhalten“ und konsumieren meist Drogen. Diesen jungen Betroffenen müsse deutlich gemacht werden, dass ein risikoärmeres Leben nicht gleichbedeutend ist mit einem langweiligen Leben.

 

Compliance entwickelt sich in der Beziehung

Die konkreten Vorschläge für den Umgang mit KlientInnen richten sich zwar an professionelle HelferInnen, die Überlegungen sind aber durchaus auch für Angehörige interessant. Der Autor orientiert sich vor allem am Ansatz der Motivierenden Gesprächsführung (Miller & Rollnick, 2004). In diesem Ansatz wird der Ambivalenz eines betroffenen Menschen auf wertschätzende Art und Weise begegnet. In einer partnerschaftlichen Beziehung werden schrittweise Veränderungsziele entwickelt. Dementsprechend wird auch „Compliance“ nicht klassisch als „Einsicht“ oder „Befolgung“ aufgefasst, sondern folgendermaßen:

„Compliance ist keine Einbahnstraße, sondern entwickelt sich in der Beziehung. In ihr muss etwas ausgehandelt werden, was für alle Beteiligten nachvollziehbar, annehmbar und machbar ist. Non-Compliance entsteht hingegen häufig durch Fremdbestimmung“ (S. 109).

Die Perspektive der Angehörigen wird in diesem Buch nur wenig berücksichtigt, allerdings erfüllt es das, was die Bücherreihe verspricht: gut aufbereitetes „Basiswissen“ zum Thema Cannabiskonsum und psychische Störungen.


Für Sie rezensiert: Judith Reiss

Autor: Michael Büge

Verlag: Psychiatrie Verlag, 2017

ISBN: 978-3884146354

 

 

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