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Edith Scherer, Thomas Lampert

Angehörige in der Psychiatrie

Cover Buch

Endlich ein Büchlein aus der bewährten Reihe „Basiswissen“, das sich ganz der Arbeit mit Angehörigen widmet!

Angehörige sind wir alle

Jeder steht irgendwann einmal im Leben mit Menschen in Beziehung, die krank und auf Hilfe angewiesen sind. Die AutorInnen des Buches, zwei Pflegefachpersonen aus der Schweiz, die in unterschiedlichen Kontexten mit Angehörigen psychisch erkrankter Menschen arbeiten, laden gleich in der Einleitung des Buchs die professionellen LeserInnnen zum Perspektivenwechsel ein, um eine wertschätzende, respektvolle Annäherung an die Angehörigen zu erleichtern. Dafür gilt es erst einmal, den eigenen negativen Bildern im Kopf den Kampf anzusagen: „…in Familien mit einem psychisch kranken Menschen gibt es weder Täter noch Opfer, sondern ganz einfach Menschen, die gemeinsam eine schwere Situation zu meistern haben.“ (S. 17)

 

Angehörige miteinbeziehen

Es gilt ja längst als „state oft the art“ (letzter Entwicklungsstand), Angehörige von psychisch erkrankten Menschen in die Betreuung durch das psychosoziale Versorgungssystem miteinzubeziehen. Dass in der Praxis dafür oft die qualitativen Standards fehlen, an denen sich professionell Tätige orientieren können und es große Unsicherheiten im Umgang mit den Angehörigen gibt, erfahren die Angehörigen selbst oft sehr leidvoll. Sie werden in ihrer Not alleingelassen.

Leitfaden für Arbeit mit Angehörigen

Vorliegendes Buch versteht sich als Leitfaden für die professionelle Arbeit mit Angehörigen und formuliert praxisbewährte Leitlinien für den beruflichen Alltag. Der erste Teil des Buches beschäftig sich mit den Belastungen der Angehörigen: Dilemma zwischen Fürsorge und Autonomie, Hilflosigkeit und Ohnmacht, Schuldgefühle, Angst, Bedrohung des Familienzusammenhalts, Ungewissheit.

Drei besonders wichtige Grundsätze für die Unterstützung der Angehörigen sollen hier herausgegriffen sein:

 

  • Angehörige müssen die psychiatrische Behandlung verstehen und brauchen Informationen (S. 31)
  • Fachpersonen sollen Angehörige immer wieder darin bestärken, Vertrauen in ihr eigenes Handeln zu entwickeln. Hilfreich dabei ist, mit den Angehörigen genau zu schauen, wo sie Handlungsspielraum haben. (S. 36)
  • Angehörigen muss immer wieder Mut gemacht werden, ihr eigenes Leben zu planen und eigene Beziehungen aufrechtzuerhalten. (S. 41)

 

Das nächste ausführliche Kapitel widmet sich der Zusammenarbeit mit den Angehörigen. Die AutorInnen bezeichnen ihren Zugang zu Angehörigen als Einbindung bzw. aktiven Einbezug (im Gegensatz zu Ausgrenzung und Instrumentalisierung.
Wie diese Einbindung auch in möglichen konfliktträchtigen Situationen geschehen kann („schwierige“ Angehörige, Umgang mit der Schweigepflicht, Suizidalität)  und wie Mehrpersonengespräche sich mit Hilfe systemischer Methoden gut gestalten lassen, erfährt man anschaulich anhand von Gesprächsprotokollen mit Familien. Als wichtige Grundhaltung wird die „allparteiliche Haltung“ veranschaulicht als „…Raumzeitgestalt, eine „innere Freiheit“, nacheinander die Partei eines jeden Familienmitglieds zu ergreifen, ohne den anderen gegenüber illoyal zu sein.“ (S. 87)

Angehörigenselbsthilfe und Angehörigenberatung

Neben der Arbeit mit Angehörigen im psychiatrischen Kontext wird als weitere Form der Angehörigenunterstützung die Selbsthilfe erwähnt: Die erfolgreiche Wirkung von Selbsthilfegruppen ist keine Konkurrenz für die Arbeit von Fachleuten, sondern ergänzt und erweitert diese maßgeblich durch möglich werdende Empowermentprozesse.“ S. 113

Die Angehörigenarbeit außerhalb der Behandlung in Form von Psychoedukation und separierter Angehörigenberatung wird ebenfalls besprochen.

Eine unverzichtbare Lektüre für Professionelle, die sozialpsychiatrische Arbeit ernst nehmen und für Angehörige, die wissen wollen, was sie von den Professionellen auch erwarten und fordern dürfen.


Für Sie rezensiert: Daniela Schreyer

Autorinnen: Edith Scherer, Thomas Lampert

Verlag: Psychiatrie Verlag, Köln 2017

ISBN: 978-3-88414-638-5

 

 

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