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Weg aus der Abhängigkeit

Suchtprobleme in Familien mit psychischen Erkrankungen. 

Salzburg, Bildungshaus St. Virgil, 29. – 30. April 2016
Ein Stimmungsbericht

Ein neues Thema auf einer HPE Tagung: Co-Morbidität von psychischer Erkrankung und Sucht! Ein Thema, das in vielen Gesprächen von HPE Mitgliedern immer wieder angesprochen wurde. Nun wurde es von Fachleuten behandelt. Und die Ergebnisse sind noch erschreckender als erwartet.

Co-Morbidität in Zahlen

Prim. Dr. Korbel, Mag. Gatsch und Dr. Mühlbacher liefern Zahlen: 60 – 80 % der an einer Depression Leidenden haben auch eine Suchterkrankung, ebenso wie mehr als 50 % der an einer bipolaren Störung und 40 % der an Schizophrenie Erkrankten.  Die Dunkelziffer ist groß, und so wurde auch gesagt, dass die Co-Morbidität zwischen psychischer Erkrankung und Sucht nicht als Einzel- sondern eher als Regelfall betrachtet werden muss.

Fehlende Einrichtungen zur Behandlung

Aber nicht nur diese Zahlen sind erschreckend, sondern auch, wie das Gesundheitssystem in Österreich damit umgeht. Es ist zwar bekannt und einsichtig, dass beide Erkrankungen in Wechselwirkung zusammen behandelt werden müssen - aber dafür gibt es in Österreich kaum Einrichtungen. Es ist vielmehr so, dass Erkrankte zwischen den Abteilungen einer psychiatrischen und einer Suchtklinik hin-und hergereicht werden und jede dieser Abteilungen fordert, dass zuerst die andere Erkrankung geheilt werden muss. 

Bilder Tagung HPE 2016
Bilder Tagung HPE 2016


Dr. Mühlbacher
ergänzt die dramatische Situation in zweierlei Hinsicht: Auch die Ausbildung der Fachärzte ist einseitig auf eine der beiden Erkrankungen gerichtet und die Wartezeiten für Patienten betragen Wochen bis Monate, was den so positiven Entschluss eines Patienten, eine Behandlung in Anspruch zu nehmen, meist zunichtemacht.

Prim. Dr. Korbel fasst die heute üblichen Suchtmittel zusammen:

  • An erster Stelle steht Alkohol, eine in Österreich gesellschaftlich anerkannte Droge, die daher umso gefährlicher ist.  Fatal ist die vorübergehende positive Wirkung des Alkohols z.B. bei Depressionen.
  • Cannabis ist ebenfalls weit verbreitet und durch die Diskussion über eine Freigabe in aller Munde. Über die tatsächliche Gefährlichkeit gibt es noch keine endgültigen Aussagen, da wird noch viel geforscht. Als Auslöser für Psychosen kann es nicht ausgeschlossen werden.
  • Neben den zwei vorher genannten gängigsten Suchtmittelgruppen sind Opiate, Morphium und Heroin bekannte Suchtmittel.

Dr. Mühlbacher zeichnet zusätzlich ein erschreckendes Bild der Zukunft: Die Überschwemmung durch eine Vielzahl synthetischer Drogen, die schwerste Nebenwirkungen und Psychosen auslösen. Ein Nachweis dieser Drogen ist oft noch gar nicht oder schwer machbar.

Feier Aha Salzburg

Stärkung der Angehörigen

Ein zweiter Themenschwerpunkt bezog sich auf die Stärkung der Angehörigen, die bei der Doppeldiagnose Psychische Erkrankung und Sucht noch mehr belastet sind. Mag. Deutenhauser hat in ihrem Vortag ebenso wie in ihrem Workshop (Resilienz) vor allem das Annehmen und Einbauen schlechter Phasen ebenso wie gemachter Fehler als Teil des Lebens betont. Aus Krisen kann man auch lernen und so sein Repertoire an Methoden zur Bewältigung aber auch zum eigenen Entlasten erweitern. Die allen Angehörigen auf den Schultern lastenden Schuldzuweisungen waren bei Mag. Deutenhauser ebenso ein Thema wie im Vortrag von Frau Mag. Berg-Peer.

Mag. Berg-Peer bringt wie jedes Mal uns Angehörige in humoristischer Weise und Wortwahl zum Selbsterkennen und Schmunzeln. Aus ihrem Erfahrungsschatz entzaubert sie Gedanken, die sich alle Angehörigen in ähnlicher Weise schon einmal gestellt haben und ermutigt, solche Gedanken und Sorgen auch selbst zu hinterfragen.

Suchtproblematik als gesellschaftliches Problem

In der Podiumsdiskussion beleuchtet Mag. Berg-Peer die Suchtproblematik als gesellschaftliches Problem. Der Psychiater Dr. Mühlbacher zeichnet ein scharfes, düsteres Bild des Zustandes der Psychiatrie insbesondere im Bereich der Co-Morbidität mit Sucht. Sowohl in diesem Statement als auch in den Diskussionen wurde darauf hingewiesen, dass Österreich in diesem Bereich gegenüber z.B. Deutschland einen großen Nachholbedarf hat. Als dritter Teilnehmer auf dem Podium berührt Herr Rauchegger, ein betroffener Alkoholkranker, der nach 30 Jahren den Absprung aus der Sucht geschafft hat, die Zuhörer zutiefst.

30-Jahr Feier von AhA! Salzburg

Der harte Inhalt der Tagung wurde jedoch – wie immer in St. Vigil – in die Atmosphäre des wunderschönen Seminarhotels und seiner exzellenten Küche eingebettet. Dieser Eindruck wurde durch die festlich und liebevoll gestaltete 30-Jahr Feier von AHA Salzburg noch verstärkt. Viele gut funktionierende Einrichtungen wurden von AHA ins Leben gerufen und auch erhalten – davon sei nur die „OASE“, ein gut besuchter Treff für psychisch Erkrankte, erwähnt.  HPE gratuliert herzlich!

V. Zwatz-Meise

Fotos: HPE; S. Rausch;