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15. November 2016 - Niederösterreich

Jubiläum - 15 Jahre HPE Niederösterreich

Erlacher, Bernhard, Leitner-Dröscher, Steffen

Heindl

Welttag der seelischen Gesundheit

 „Wir begehen heute nicht nur den Welttag der seelischen Gesundheit, zu dem wir jedes Jahr einladen. - Heuer steht das Jubiläum 15 Jahre HPE NÖ im Mittelpunkt unserer Veranstaltung.“

Mit diesen Worten durfte ich all jene, die der Einladung gefolgt und zu unserer Feier ins Kolpinghaus Baden gekommen waren, auf das Herzlichste begrüßen.

Neben den zahlreich erschienenen geladenen und spontan zu uns gestoßenen Gästen, den Angehörigen und Betroffenen aus der Region Baden - Mödling und den (Vorstands-) Mitgliedern der HPE NÖ, die teilweise weit angereist waren, war es besonders schön unter anderen Herrn Mag. Michael HARTMANN - Geschäftsführer von Kolping Baden - der es ermöglicht hat, das 15jährige Jubiläum der HPE NÖ im Festsaal des Kolpinghauses Baden zu feiern, begrüßen zu dürfen.
Weiters freute es mich folgende Personen bei unserer Feier als Ehrengäste und/oder GastrednerInnen begrüßen zu dürfen: Frau Mag.a. Antonia Maria LEITNER-DRÖSCHER - Leiterin des psychosozialen Zentrums, Frau Annemarie HEINDL - Kunsttherapeutin - die uns mit dem Bild „15 Jahren HPE NÖ“ (gemalt von Klientinnen und Klienten ihrer Kunsttherapiegruppe) überraschte, Frau Beatrix HÖLLER samt Kollegen - fachliche Leitung und medizinische Betreuung des Psychosozialen Gesundheitszentrum Mödling, Herrn Mag. Martin KAUKAL - Geschäftsführer der PSD-Region OST, Frau Mag.a. Susanne KARNER von der Caritas St. Pölten - Bereichsleitung Psychosoziale Einrichtungen der PSD-Region WEST, Herrn Mag. Norbert ERLACHER - Vorsitzender von HPE Österreich und HPE Tirol - samt Gattin Maria-Luise, sowie Frau Sigrid STEFFEN - stellv. Vorsitzende von HPE Österreich, Vorsitzende des Angehörigen Vereins Salzburg und ehemalige Vorsitzende von EUFAMI (Europäische Angehörigenbewegung).

Kolpinghaus als Chance

Frau Mag.a. Antonia Maria LEITNER-DRÖSCHER nahm in ihrer Rede nicht nur Bezug auf den Film „Wellentäler“ sondern auch auf die Klientinnen und Klienten des Kolpinghauses Baden, die durch den Besuch der dortigen Tagesstätte eine Chance bekommen, ihr Selbstbewusstsein zu steigern und die Arbeiten des täglichen Lebens wieder zu erlangen. Einige schaffen es ins Berufsleben zurück zu kehren, andere wiederum ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Rückblick auf 15 Jahre

Rückblickend auf 15 Jahre HPE NÖ und als deren Vorsitzende vermag ich folgendes zu sagen: Seit der Gründung 2001 bis zum Jahr 2011 stand Frau Dr. Waltraud Kress an der Spitze der HPE NÖ. 2011 - vor 5 Jahren - übernahm ich ihre Funktion als Vorsitzende und so freut es mich ganz besonders, sie als tatkräftige Unterstützung und Stellvertreterin nach wie vor an meiner Seite zu wissen. 2001 - gegründet als Zweigverein von HPE Österreich - ist die HPE NÖ gemeinnützig, unabhängig und überkonfessionell, hat mehr als 300 aktive Mitglieder und lebt als Selbsthilfeverein vom Engagement seiner Mitglieder. Bei HPE NÖ arbeiten alle ehrenamtlich und unentgeltlich und versuchen überall dort zu helfen, wo die Situation psychisch Erkrankter und deren Angehöriger Verbesserung bedarf.

Öffentlichkeitsarbeit um Stigma zu bekämpfen

Die Öffentlichkeitsarbeit der HPE NÖ steht bei all unseren Veranstaltungen und Treffen im Vordergrund um STIGMATISIERUNG psychisch Kranker zu bekämpfen. Der Verein HPE NÖ ist in vielen Gremien, u.a. bei NÖGKK, ÖAF, NÖGUS und PSZ GmbH, durch Waltraud Kress und mich vertreten und bringt dort seine Anliegen vor. Außerdem unterstützen und begleiten wir auch Projekte wie jene der FH St. Pölten, die überwiegend von Vorstandsmitglied Inge SANDHACKER übernommen werden.

Meine Tätigkeit an der Spitze von HPE NÖ begann vor 5 Jahren mit der 10 Jahres Feier der HPE NÖ. Wir verfassten eine neue Resolution, die wir am 26. März 2012 bei der NÖ Landesregierung einreichten. Die 17 Punkte der ersten Resolution von 2008 wurden auf fünf zentrale Punkte reduziert. Es folgte eine Reihe von Einladungen zu themenbezogenen Veranstaltungen. Bei den Vorträgen nahm ich nicht nur zum jeweiligen Thema Stellung, sondern nutzte auch die Gelegenheit über den Verein HPE zu berichten.

Schulung als Kernkompetenz

Neben unserer Präsenz bei Gesundheitstagen, wo wir vermehrt über eigene HPE Infostände versuchen betroffenen Angehörigen schon vor Ort zu helfen, gehören Seminare in Polizeischulen wie Ybbs und Traiskirchen, in der Krankenpflegeschule und an der Pädagogischen Hochschule in Baden, beim Angehörigentag in Betreuungseinrichtungen und bei vielen Vernetzungstreffen in den Regionen Baden, Mödling, Tulln und Amstetten-Mauer zu unseren Kernkompetenzen, stets mit tatkräftiger Unterstützung aller Vorstandsmitglieder. Nachdem wir mit der Vorstellung der HPE in den Schwerpunktkrankenhäusern TULLN und BADEN begonnen haben, werden wir auch weitere Krankenhäuser aufsuchen.

Information über HPE und unsere Angebote

Der Besuch der PSD‘ s Baden, Mödling, St. Pölten, Tulln und Mistelbach stand ebenfalls auf unserem Programm und ermöglichte uns vor Ort über die HPE und ihre Angebote zu referieren. Die jeweils anwesenden Ärzte, Sozialarbeiter und Therapeuten stellten sich und ihren Aufgabenbereich vor. Diese Informationen sind für uns besonders wichtig, um sie an Angehörige weiter geben zu können. In fast allen Bezirkshauptstädten finden monatliche Selbssthilfegruppen statt, die auf der HPE NÖ Homepage, im HPE NÖ Folder und in der Zeitschrift KONTAKT, die fünf Mal im Jahr erscheint, aufgelistet sind.

Frau Dr. Waltraud Kress, die seit 18 Jahren die Selbsthilfegruppe im Kolpinghaus in Baden leitet und die ich seit 2006 regelmäßig besuche, inspirierte mich, 2014 im Psychosozialen Gesundheitszentrum Mödling die Angehörigen Selbsthilfegruppe erfolgreich zu reaktivieren. So hören Angehörige oft zum ersten Mal, in einem persönlichen Gespräch, dass es professionelle Unterstützung und Beratung gibt und wo sie diese finden können. Und bei unseren ANGEHÖRIGENRUNDEN und den TRIALOG TREFFEN haben sie die Möglichkeit, sich im geschützten Rahmen auszutauschen.

Seele in Not

Um den Angehörigen zusätzlich Unterstützung anbieten zu können, hat HPE NÖ unter der Leitung von DI Haimo ILIAS das Projekt „Seele in Not“, ins Leben gerufen. Aus gutem GRUND, denn Depression und Burnout stehen bereits an zweiter Stelle der Ursachen für Frühpensionierungen.

Tagung für Angehörige

Die Tagung der HPE Österreich, die abwechselnd in Wien und in Salzburg stattfindet, ist für uns aktive Angehörige ein jährlicher Fixpunkt. 2016, bei der letzten Tagung, wurde zum Thema „WEG AUS DER ABHÄNGIGKEIT“ erstmals über Co-Morbidität von psychischer Erkrankung und Sucht berichtet, die nicht als Einzel- sondern eher als Regelfall betrachtet werden muss. Moderatoren Seminare, themenbezogene Tagungen und Vorträge tragen dazu bei, mit dem erworbenen Wissen anderen Angehörigen effizienter mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Mit vielen Vorträgen und Veranstaltungen sind wir unserem ZIEL, die HPE bekannter zu machen, schon viel näher gekommen und konnten so, vielen Angehörigen und Freunden psychisch kranker Menschen helfen. Aus eigener Erfahrung durfte ich lernen, wie wichtig INFORMATION und die daraus resultierende Hilfe ist.

Angehörige sollen sich nicht selbst vergessen

Zum Thema „Was ist die HPE“, hielt Mag. Norbert ERLACHER ein Referat, das er mit den Worten von Prof. Dantendorfer begann. „Worin besteht der Unterschied zwischen HPE und ÖFB? HPE ist so bescheiden, dass sie die Angehörigen in ihrem Vereinskürzel vergessen hat! Angehörige vergessen sich selbst?“ Er zitierte aus dem Buch von Natascha Kampusch (TT Nr. 225/14./15.08.2016 S. 22f.) „Am 2.3.1998 verschwand die Zehnjährige auf dem Weg in die Volksschule. Nach ihrer Selbstbefreiung im August 2006 – sie war damals 18 – kam sie aus dem Verlies „zur Abklärung“ in eine geschlossene psychiatrische Abteilung.“ Natascha Kampusch schrieb dazu in ihrem Buch: Am schlimmsten seien für sie Menschen gewesen, die über sie bestimmen wollten. Ärzte hätten mit Anwälten und Medienberatern über die nächsten Schritte gestritten; sie habe sich dabei wie eine Figur auf einem Schachbrett gefühlt. Gleichzeitig kämpften Journalisten um das erste Foto. „Die Patienten auf der psychiatrischen Station waren noch die Normalsten in dem ganzen Wahnsinn.“

Norbert Erlacher übernahm die Aufgabe anlässlich 15 Jahre HPE NÖ über den Verein HPE, der 1978 gegründet und sukzessiv in allen Bundesländern etabliert wurde, zu berichten. Er fügte hinzu, dass sowohl Angehörigen-Beratung als auch vielseitige Informationen über psychische Erkrankungen und den Umgang damit im Vordergrund stehen und Angehörigen-Selbsthilfegruppen der Vernetzung dienen. Weiters erwähnte er, dass ca. 30 % der Bevölkerung im Lauf des Lebens eine psychische Erkrankung erleiden, d.h. = Volkskrankheit! Bei 60% der Betroffenen werden die etablierten, hochwirksamen Therapiemöglichkeiten (inklusive der Pharmakologie) überhaupt nicht oder zu spät und nur selten adäquat eingesetzt. Zum Abschluss seines Referates richtete er an Waltraud Kress und mich folgende Worte: „Es war mutig, wichtig, gescheit und notwendig, auch in NÖ die HPE als selbstständigen Verein zu gründen! Meine Gratulation dazu und meine Wünsche für die Zukunft: Mut Klugheit Zusammenhalt Verlässlichkeit Als HPE-NÖ not-wendig bleiben! Als Hilfe für psychisch Erkrankte und ihre Angehörigen! “ Sigrid STEFFEN gratulierte Waltraud KRESS und mir als derzeitige HPE Vorsitzende herzlich zu 15 Jahren engagierter Angehörigenarbeit in NÖ in denen wir uns den Herausforderungen, den Bedürfnissen und den Belastungen der Angehörigen gestellt, Ihnen aber auch Mut gemacht und Hoffnung gegeben haben. Und dass wir die zentrale und wichtige Rolle der Angehörigen nicht nur der Politik und der Öffentlichkeit, sondern auch den psychiatrischen Profis vermittelt haben. Dabei stießen wir auch oftmals aufgrund mangelnder Ressourcen in der psychiatrischen und psychosozialen Versorgung an unsere Grenzen. Sie beglückwünschte HPE NÖ zum kürzlich ernannten Psychiatriekoordinator, und meinte: „Ein wichtiger und integrativer Schritt in die richtige Richtung.“

Erste Hilfe bei psychischen Erkrankungen

Ihr Vortrag anlässlich des „Welttages der seelischen Gesundheit“ unter dem heurigen Motto: „Psychologische Erste Hilfe bei psychischen Erkrankungen“, war für Sie eine willkommene Gelegenheit, das Bewusstsein für psychische Erkrankungen in der Öffentlichkeit zu schärfen und offen darüber zu diskutieren. Vorträge, Workshops, Schnupperkurse, Fachtagungen und Kunstausstellungen, alle Veranstaltungen, die in dieser Zeit auch von den Mitgliedsorganisationen der EUFAMI - dem europäischen Dachverband der Angehörigen - organisiert und veranstaltet werden, tragen dazu bei, Berührungsängste abzubauen und vor allem Angehörige und Betroffene einzubinden. Auch auf das Thema Stigmatisierung ging Sigrid Steffen näher ein. Sie zitierte Robert Musils Roman „Mann ohne Eigenschaften", mit den Worten: „Psychisch kranke Menschen haben nicht nur eine schlechte Gesundheit, sondern auch eine minderwertige Krankheit“, dass also eine psychische Erkrankung nicht begrenzt ist auf das Leiden an den Symptomen, sondern durch eine zweite Komponente bestimmt wird, die Stigmatisierung (Corrigan und Vauth 2007).

Vorurteile gebenüber psychisch Kranken

Auch wenn seit Robert Musils Roman schon mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen ist und die Psychiatrie bisher große Fortschritte erzielen konnte, gibt es immer noch viele Vorurteile gegenüber psychisch Kranken. Viele engagierte Menschen arbeiten daran, diese Vorurteile abzubauen und psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren. Und in den vergangenen 15 Jahren haben weltweit viele Aufklärungskampagnen, Protestkundgebungen und Kongresse zu diesem Thema stattgefunden. Was haben sie gebracht? Haben sie überhaupt etwas gebracht? Oder drehen wir uns im Kreis? Verbale Diskriminierung belastet Betroffene und Angehörige zusätzlich und im Österreichischen Strafgesetzbuch wird immer noch von „seelischer Abartigkeit“ und „geistig abnormen Rechtsbrechern“ (§ 21) gesprochen und von Geisteskrankheit und Schwachsinn (§ 11), während die WHO bereits seit 1984 den Begriff „psychische Störung“ verwendet. Es ist an der Zeit, diese diskriminierenden Formulierungen aus dem Strafgesetzbuch zu verbannen. Denn: Psychiatrie und Gesellschaft neigen dazu, nur die Krankheit und ihre Symptome zu sehen und nicht die Person, die dahintersteht. Am Ende ihrer Rede nahm Sie noch einmal Bezug auf das diesjährige Motto des „Welttages der seelischen Gesundheit“, das die „Menschenwürde bei psychischen Erkrankungen (Dignity in Mental Health) betont und schloss ihren Vortrag mit einem Zitat von Friedrich Schiller: „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie! Sie sinkt mit euch, mit euch wird sie sich heben.“ Sie bedankte sich für die Aufmerksamkeit und überreichte Waltraud und mir - stellvertretend für alle Anwesenden - das Symbol des Welttages der seelischen Gesundheit, das grüne Band.

Filmpräsentation „Wellentäler“

Nach der Filmpräsentation „Wellentäler“, einem Dokumentarfilm über Vorurteile und Barrieren für psychisch kranke Menschen in der Gesellschaft, der ein Beitrag gegen Stigmatisierung ist, hatten alle Gäste bei einem kleinen Imbiss Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Ich freue mich über ein, aus meiner Sicht, gelungenes Fest. Ich hoffe, es hat allen so gut gefallen wie mir.

 

Ernestine Bernhard
Vorsitzende HPE Niederösterreich

Foto: @HPE

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