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Erfahrungsbericht

Eine Frau erzählt, wie ihr die Beratung
im Projekt „Rückhalt durch Angehörige“ geholfen hat.

Frau T. kommt zum ersten Mal zur Beratung.
Ihr Sohn Josef ist 40 Jahre alt und hat seit seiner Jugend psychische Probleme.
Er trinkt manchmal viel zu viel Alkohol.
Deshalb war er schon öfter im Krankenhaus, um vom Alkohol wegzukommen.
Aber er wollte nie eine längere Therapie machen.

Josef kann viele Sachen gut. Er hat aber nie lange eine feste Arbeit gehabt.
Er hat eine Ausbildung als Sanitätsgehilfe
und hat einige Zeit in diesem Beruf gearbeitet.
Seit vielen Jahren macht er aber immer nur Arbeiten für kurze Zeit.
Er macht zum Beispiel kleine Arbeiten im Theater oder fährt LKW.
Manchmal hilft er auch beim Umbau von Wohnungen.
Dazwischen bekommt er immer wieder Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe.
Frau T. und Josefs Vater haben ihm viele Jahre lang Geld gegeben.
Dann wollte der Vater keinen Kontakt mehr mit Josef.
Frau T. will ihren Sohn aber weiterhin unterstützen.

Frau T. macht sich ständig Sorgen um ihren kranken Sohn
Beim ersten Gespräch mit Frau T. geht es Josef wieder sehr schlecht.
Seine Freundin ist gerade gestorben.
In solchen schwierigen Zeiten trinkt er immer zu viel Alkohol.
Frau T. hat ständig Sorge und Angst um Josef.
Sie glaubt, sie muss immer für ihn da sein.
Josef kommt sehr oft mit seinen Problemen zu ihr und jammert über sein Leben. Das ist für ihn wie eine Therapie.
Die Beziehung ist noch immer wie eine Beziehung zwischen Mutter und Kind.
In den letzten Jahren wird Frau T. immer öfter wütend auf ihren Sohn.
Und sie merkt, dass sich etwas verändern muss.

Welche Aufgaben hat Frau T. als Angehörige?

Frau T. kommt regelmäßig alle 3 Wochen zur Beratung.
Sie bespricht dort vor allem, was sie als Angehörige tun soll oder nicht tun soll.
Die Beziehung zu Josef kann nicht mehr so weitergehen wie bis jetzt.
Das ist für Frau T. zu anstrengend.
Sie lernt in der Beratung das Verhalten ihres Sohnes besser kennen.
Sie erkennt, dass die Beziehung sie selbst krank macht und Josef nicht gesund werden lässt.
Als erstes möchte sich Frau T. mehr von Josef abgrenzen.
Sie will ihm nicht mehr jedes Mal Geld geben, wenn er es gerade braucht.
Als letzte Unterstützung bezahlt sie ihm eine Ausbildung zum EDV-Techniker.
Für diesen Beruf hat sich Josef in den letzten Jahren interessiert.
Er kann wahrscheinlich nachher auch leicht Arbeit finden.

Ein besseres Leben
Frau T. hat gelernt, anders zu denken und sich anders zu verhalten.
Sie hat in den letzten Monaten weniger Angst um Josef.
Darum geht es ihr jetzt viel besser.
Sie sieht jetzt, dass ihr Sohn ein erwachsener Mensch ist.
Sie sieht, dass er einige Schwächen, aber auch viele Stärken hat.
Frau T. nimmt sich nicht mehr so viel Zeit für Josef. Sie macht sich auch weniger Sorgen.
Sie hat nicht mehr so viel Verantwortung und fühlt sich freier.
Sie merkt, dass ihr Sohn auch selbstständig gut leben kann.
Auch Josef kann gut mit den Veränderungen umgehen.
Es ist kein Problem, dass seine Mutter nicht mehr dauernd für ihn da ist.
Er hat vor kurzem eine Frau geheiratet, die schon ein Kind hat.
Er muss sich jetzt zum ersten Mal um eine Familie kümmern.
Außerdem möchte er wieder Kontakt zu seinem Vater haben.