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Therapien bei psychischen Erkrankungen

Ist man in der Familie mit einer psychischen Erkrankung* konfrontiert, stellt sich rasch die Frage nach der „richtigen“ Therapie.
Psychische Erkrankungen sind sehr komplexe Geschehen. Und Menschen sind sehr individuelle Wesen. Daher braucht es meist eine Vielzahl an unterschiedlichen Hilfen, die alle ineinander greifen und einander unterstützen - ähnlich einem Puzzle, das viele kleine Teile braucht, damit ein großes Ganzes entsteht. Vieles kann einem Menschen dabei helfen, wieder gesund zu werden: Medikamente, Psychotherapie, Ergotherapie, Selbsthilfegruppen etc..

Puzzle

Aber auch vermeintlich „kleine“ Puzzlesteine, wie ein Halt gebendes Umfeld, die Teilhabe am Arbeitsleben oder ein sicherer Rückzugsort, tragen zur Gesundung bei. Dabei geht es nicht ausschließlich um ein „Verschwindenlassen“ der Symtome, sondern auch darum, die größtmögliche Lebensqualität für die Betroffenen zu erreichen.

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Alltagsgestaltung

Ihren Alltag verbringen Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht in den Sprechstunden ihrer Ärzte oder Therapeuten, sondern daheim, in der Arbeit, mit Freunden. Daher erweisen sich Hilfen in den Bereichen Arbeit, Wohnen, Tagesstruktur, Freizeitgestaltung als sehr wichtig.

Selbständig und unabhängig zu wohnen hat für alle Menschen einen hohen Stellenwert und trägt auch zur Stabilität psychisch erkrankter Menschen bei. Je nach Unterstützungsbedarf sind Wohnformen vom vollbetreuten Wohnen bis hin zur stundenweise Betreuung in der eigenen Wohnung möglich.

Die Teilhabe am Arbeitsleben fördert Selbstwert und Selbstvertrauen, trainiert manuelle und kognitive Fertigkeiten, strukturiert den Tag und bringt soziale Kontakte. Psychisch kranke Menschen brauchen dazu unterschiedliche Hilfen: Das Spektrum reicht vom (Wieder-) Erlernen von Fertigkeiten im Rahmen der Ergotherapie, über Arbeitstrainingsstätten und Berufsvorbereitungskurse bis hin zur Hilfestellung beim Erlangen bzw. Erhalten eines Arbeitsplatzes mit Hilfe der Arbeitsassistenz.

Verschiedenste Freizeitangebote für psychisch kranke Menschen helfen, den Tag zu strukturieren, andere Menschen kennenzulernen und trotz der Erkrankung den eigenen Interessen und Neigungen nachzugehen. All diese Hilfe haben zum Grundsatz: „Soviel Selbsthilfe wie möglich, soviel Fremdhilfe wie nötig.“

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Selbsthilfe

Psychisch kranke Menschen sind psychisch dünnhäutiger und verletzlicher als andere Menschen. Sie reagieren sensibler auf Konflikte und Spannungen. Umso wichtiger ist es, dass die Betroffenen lernen, gut auf sich selbst zu schauen, und Antworten auf diese und ähnliche Fragen zu finden: Welches Maß an Aktivierung und Struktur brauche ich? Wie gehe ich mit Stresssituationen um? Was gibt mir Kraft? Wo finde ich Entspannung? Welches Ausmaß an sozialen Kontakten tut mir gut? Wie spüre ich meine Grenzen?

Viele dieser Selbsthilfestrategien können Betroffene von anderen Menschen in ähnlichen Situationen lernen. Das ist ein wichtiger Aspekt von Selbsthilfegruppen. In diesen können Menschen mit psychischen Erkrankungen sich untereinander in einem geschützten Rahmen austauschen und voneinander und miteinander lernen.

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Psychotherapie

Psychotherapie ist ein Heilverfahren, das wesentlich auf dem Gespräch bzw. der Beziehung zwischen Patient und Therapeut basiert. Ganz allgemein hat Psychotherapie zum Ziel, Leidenszustände zu heilen indem sie dem Klienten dabei hilft, sich selbst besser kennen zu lernen und Hintergründe der eigenen Probleme zu erkennen. Psychotherapie unterstützt dabei, die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Sie bietet einen geschützten Rahmen, in dem neue Erfahrungen gemacht werden können und sich das eigene Denken und Fühlen, die Sichtweisen von sich und der Welt und die Persönlichkeitsentwicklung verändern können.

Um Psychotherapeut zu werden muss man eine mehrjährige, gesetzlich geregelte Ausbildung absolvieren und über einen ersten Grundberuf verfügen. Daher sind manche Psychotherapeuten auch Psychiater, andere Psychologen, Sozialarbeiter, Theologen, Pädagogen etc.

Es gibt verschiedene „Schulen“ der Psychotherapie, die sich hinsichtlich der Arbeitsweise und des Menschenbildes unterscheiden. Die bekanntesten dieser Schulen sind etwa die Psychoanalyse, die Verhaltenstherapie, die systemische Familientherapie oder die Hypnosetherapie.
Weit wichtiger als die konkrete Schule aber und der wesentliche Wirkfaktor einer Psychotherapie ist eine gute und vertrauensvolle Beziehung zwischen Klient und Therapeut. Bei schweren psychischen Erkrankungen ist es zudem sinnvoll, auf ausreichende Erfahrung des Therapeuten in der Behandlung dieser Erkrankung zu achten.

Psychotherapeuten unterliegen einer sehr strengen Verschwiegenheitspflicht, die es ihnen nicht erlaubt, Außenstehenden Auskunft über Therapieinhalten zu geben - auch Angehörigen nicht.

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Medikamente

Psychopharmaka sind Medikamente mit Wirkung auf das zentrale Nervensystem, also das Gehirn. Das Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen, die untereinander über verschiedene Botenstoffe kommunizieren. Diese Botenstoffe werden auch Neurotransmitter genannt. Bei psychischen Erkrankungen ist die Regulation dieser Substanzen gestört. Psychopharmaka setzen hier an, indem sie in die Regulation der Botenstoffe eingreifen und dafür sorgen, dass diese weder in zu geringer noch in zu hoher Konzentration vorliegen.
Je nach Wirkung und Wirkstoffen werden Psychopharmaka in folgende Gruppen unterteilt: Neuroleptika bzw. Antipsychotika, Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Tranquilizer.

Wie jedes andere Medikament zeigen auch Psychopharmaka erwünschte Wirkungen und unerwünschte Nebenwirkungen. Es gilt daher, den Nutzen der medikamentösen Therapie gegen ihre Nachteile abzuwägen. Die individuell richtige Medikation und Dosierung zu finden braucht zudem oftmals Zeit und erfordert Erfahrung des Arztes, Geduld von Betroffenen und Angehörigen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt.

Psychopharmaka sind ein wichtiger Baustein in der Therapie von psychischen Erkrankungen. Sie können Symptome lindern oder beseitigen und das subjektive Erleben positiv beeinflussen. In Akutphasen lindern sie große Angst und Panik. Oft machen sie die Inanspruchnahme weiterer Therapieformen erst möglich.

Psychopharmaka müssen von einem Arzt verschrieben werden. Das Aufsuchen eines Facharztes für Psychiatrie ist äußerst empfehlenswert. Der Arzt ist verpflichtet, den Patienten über die vorgeschlagene Therapie genau aufzuklären und seine Fragen zu beantworten.

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Rehabilitation

Nach einer körperlichen Erkrankung braucht es manchmal noch eine Phase der Rehabilitation, um die volle Funktionsfähigkeit des Körpers wieder her zu stellen. Auch nach einer psychischen Erkrankung kann eine solche Rehabilitation sinnvoll sein.

In der Sozialpsychiatrie versteht man unter Rehabilitation das Erreichen größtmöglicher Lebensqualität für den psychisch erkrankten Menschen in den Bereichen Wohnen, Arbeit, Freizeit und soziale Kontakte. Darüber hinaus verfolgt Rehabilitation das Ziel, ein erneutes Auftreten der Erkrankung zu verhindern. Die Betroffenen werden dabei unterstützt, besser mit eventuellen Einschränkungen umgehen zu lernen und zukünftige Krisen leichter bewältigen zu können.

In den Einrichtungen stehen den Patienten meist über einige Wochen bis Monate hinweg eine Vielzahl an therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung, wie Psychotherapie, Ergotherapie, medikamentöse Behandlung, Beratung durch Sozialarbeiter, Bewegungstherapie und vieles mehr. Je nach der persönlichen Lebenssituation kann Rehabilitation stationär (in Rehakliniken) oder ambulant (in Tageskliniken oder Rehaambulanzen) stattfinden.


*  Bei psychischen Erkrankungen sprechen wir beispielsweise von Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis wie Schizophrenie oder Psychosen handeln, von Depressionen, von manisch depressive Erkrankungen, von Persönlichkeitsstörungen wie Borderline Störungen, von Angst- oder Zwangserkrankungen oder auch von einer Suchterkrankung.
Burnout stellt zwar keine eigene Diagnose dar, aber die schweren Erschöpfungszustände die zum Begriff Burnout zusammengefasst werden können, zählen auch zu den psychischen Erkrankungen.

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