Morton Mies - wie die Depression siegt und wie sie scheitert

Institut für systemische Therapie, Wien

Stellen Sie sich vor, Sie hätten „die Depression“  vor dem Mikro und könnten sie alles fragen, was Sie von ihr wissen möchten… Dieses Szenario hat das Wiener Institut für systemische Therapie in Szene gesetzt: Morton Mies (die personalisierte Depression) wird als Handpuppe zum Leben erweckt und von einem Psychotherapeuten zu ihren Stärken, Strategien und Schwächen befragt. Zu sehen ist dies auf der DVD „Morton Mies. Wie die Depression siegt und wie sie scheitert“.

Morton Mies ist zu Besuch bei einer Psychotherapeutin. Nicht, um geheilt zu werden, sondern um zu erzählen: Seine Wege und Tricks, sich in Menschen breit zu machen und deren Wahrnehmung, Denken und Fühlen zu verändern.

Körperlich spüren Sie mich sofort

Morton Mies ist ein grau gekleideter Mann mit schwarzer Brille, blasser Haut und großen Händen. Mit stolzen Worten nimmt er auf der Couch der Therapeutin Platz und erzählt: „Körperlich spüren Sie mich sofort. … Auf Ihre Gedanken wirke ich auch ein. … Ich treibe Sie in einen Teufelskreis.“ Was denn seine Strategien seien, will die Therapeutin wissen: Negatives Denken, negative Wahrnehmung. Hohe Ansprüche und der ständige Vergleich mit anderen helfen ihm. Sein Ziel: „Miese Stimmung sollte jeden Tag da sein!“ Mortons wichtigste Verbündete sind Angst und Schuldgefühle, und „am hilfreichsten ist die Angst vor der Angst.

Auch Familie und Freunde können ihm helfen, stark zu werden: Gut gemeinte Ratschläge, die eigentlich die Hilflosigkeit der Angehörigen ausdrücken, helfen ihm ebenso wie Wut und Unverständnis.

Das Leben im Hier und Jetzt ist schädlich für Morton Mies

Doch dann befragt die Therapeutin, was denn die Schwächen Mortons seien, und er plaudert einiges aus: Wenn die Betroffenen tageszeitliche oder jahreszeitliche Unterschiede erkennen, wenn sie in Bewegung kommen, wenn sie erkennen, dass sie besser für sich sorgen müssen, wenn sie den eigenen Beitrag für Belastungen erkennen – dann schwächt ihn das. „Gelassenheit und Humor sind meine Gegner“, sagt er. „Das Leben in der Gegenwart, im Hier-und-Jetzt, das ist ganz schädlich für mich.“ Und auch Angehörige können ihm in die Quere kommen: Indem sie richtig zuhören, indem sie interessiert anwesend sind ohne Druck zu machen, indem sie nachfragen wer wie helfen soll, indem sie Geduld zeigen. Morton Mies wird im Laufe des Interviews immer angespannter, nervöser, geknickter. Gegen Ende rutscht er langsam hinter die Couch. Erst ist seine Hand noch zu sehen. Dann verschwindet er ganz.

Mag. Birgit Dorninger - Bergner

Autorin: Institut für systemische Therapie, Wien
Verlag: Carl Auer Verlag


Die DVD kann direkt beim Institut für systemische Therapie bezogen werden.