Gesundung ist möglich. Borderline Betroffene berichten.

Andreas Knuf (Hg.)

Die Botschaft dieses Buches ist eindeutig und unmissverständlich: Die Genesung von Borderline ist möglich, und zwar nicht etwa nur für Einzelne, sondern sogar für die Mehrzahl.

Ein Mutmachbuch für alle Betroffenen und Angehörigen

Borderline galt lange Zeit als unheilbare Erkrankung, die Betroffenen als schwierige, vielleicht sogar „zu fürchtende“ PatientInnen. Das neue Buch des deutschen Psychologen und Psychotherapeuten Andreas Knuf setzt schon in den ersten Zeilen dieser Sichtweise klare Worte entgegen: Die Genesung von Borderline ist möglich, und zwar nicht etwa nur für Einzelne, sondern sogar für die Mehrzahl. Borderline ist heute „behandelbar“, nein, in vielen Fällen ist diese Erkrankung gut behandelbar. […] Damit ist dieses Buch ein „Mutmachbuch“, das sich gegen die gängigen Vorurteile wendet, die besagen, dass Borderline nicht behandelbar und auch nicht „heilbar“ wäre.“ (S. 7)

Was ist eigentlich gesund?

Andreas Knuf versucht die Frage „Was ist eigentlich gesund?“ etwas breiter zu fassen: Unrealistisch, auch inhuman sei, so Knuf, die klare Trennung und Gegenüberstellung von Gesundheit und Krankheit. Wir alle sind nie völlig gesund oder völlig krank, sondern immer mehr oder weniger gesund / krank.

Heike Marie Lohse, eine der Co-Autorinnen des Buches, beschreibt dies so: „Heilung bedeutet nicht, in einen Zustand der Unversehrtheit zurückzukehren. Manche Risse in meiner Seele sind noch da und werden das vermutlich immer sein. Aber die Enden klaffen nicht mehr auseinander, sodass ich Gefahr laufe, hineinzustürzen.“ (S. 146)

Knuf weiter: „Gesundheit ist nicht ein Leben ohne psychische Probleme und Krankheiten, sondern vielmehr, dass Menschen damit möglichst gut umgehen und leben können“ (S. 219).

Unterschiedliches Tempo, unterschiedliche Wege

Die zwanzig Betroffenen, die in diesem Buch berichten, haben ihre Wege in Richtung Gesundung in unterschiedlichem Tempo, mit unterschiedlich großen Schuhen und unterschiedlichen Landkarten in der Hand beschritten. Manche gingen allein, manche hatten Begleitung. Manche sind schon sehr lange unterwegs, andere haben sich erst auf den Weg gemacht. Einige Themen aber scheinen wichtige Etappen des Gesundungsweges zu sein; sie begegnen dem Leser immer wieder in den Beiträgen und Rückschauen der Betroffenen.

Abgerundet werden die eindrucksvollen, Mut machenden und auch Respekt schaffenden Berichte der Betroffenen durch einige Seiten von Andreas Knuf über Gesundungschancen und –wege bei Borderline-Erkrankung, über Verlauf, Therapieformen und Medikamente, sowie durch eine Sammlung von hilfreichen Internetadressen zum Thema.

Das vorliegende Buch kündigt sich als „Mutmachbuch“ an und schließt mit einem „Mutmachbild“: „Kennen Sie den chinesischen Bambus? Diese Pflanze wächst mehrere Jahre nur unter der Erde und schießt dann viele Meter in die Höhe. Ähnlich verhält es sich manchmal mit Gesundungsprozessen. Daher ist es so wichtig, die Geduld nicht zu verlieren und die Zuversicht auf eine positive Veränderung beizubehalten. Nach allem, was wir heute wissen, gibt es bei Borderline allen Grund für diese Zuversicht.“ (S. 239)

Diese Zuversicht behalten zu können macht dieses Buch allen Betroffenen und Angehörigen ein kleines Stückchen leichter.

Autor: Andreas Knuf (Hg)
Verlag: BALANCE Buch + Medien Verlag
ISBN: 978-3867390347