Borderline: Ein Jahr mit ohne Lola

Agneta Melzer

Die Geschichte einer besonderen Freundschaft

Wer anstelle von Fachliteratur oder schwermütiger Erfahrungsberichte einmal einen leichteren, amüsanten Zugang zum Thema Borderline wählen möchte, der möge zu diesem Roman über die wahre Geschichte der Freundschaft zwischen den  jungen Frauen Agneta und Lola greifen. Heute hüpft Lola ausgelassen auf Partys herum und verdreht allen Männern den Kopf, morgen verkriecht sie sich und bricht den Kontakt mit ihrer besten Freundin Agneta ab.

Wechsel der Perspektiven

Im Buch wechseln wir von Kapitel zu Kapitel die Perspektive, mal erzählt Agneta, dann wieder Lola und diese Erzählversion macht auch die Spannung des Buches aus. Lola bricht auch mit einigen Vorurteilen über Borderliner: Sie ist sympathisch und einfühlsam und krankheitseinsichtig – ja und gar nicht so schlimm manipulativ. Dass Lola „Bordi“ ist stellt sich erst so nach und nach in der Klinik heraus, in die sie sich nach einer unglücklichen Liebesbeziehung selbst einweisen hat lassen. Die idealisierte Beziehung mit dem umwerfenden Joao entpuppt sich nämlich als desaströs: Joao war einfach…naja, wie diese blöden Kugelmenschen bei Platon, weißt du? Wir waren eins. Ich wollte mit ihm verschmelzen.“ Ingmar lachte lauthals. „Du Bordi!“ Verschmelzungswünsche sind so was von typisch für Bordis! (S. 207) Und dass es mit der Diagnose gar nicht so einfach ist, zeigt sich schließlich auch. „Erst warst du depressiv, dann warst du passiv-aggressiv und histrionisch, nun bist du auf einmal Borderline.“ „So kann man das nicht sagen…eigentlich bin ich eher alles zusammen…Diese Unübersichtlichkeit ist aber ganz normal für Bordis, auch wenn normal da jetzt ein seltsamer Begriff ist. Wir sind kompliziert“ (S. 243)

Happy End

Ja und wie könnte es in diesem Buch anders sein, es gibt ein Happy-End. Die stationäre Langzeittherapie hat Lola geholfen „wieder da zu sein“ – für sich selbst und auch für ihre Freunde. Ich wünsche ein kurzweiliges, rasches Lesevergnügen, dem ein bisschen mehr Tiefgang nicht schaden würde!

Für Sie rezensiert: Daniela Schreyer

Titel: Borderline: Ein Jahr mit ohne Lola
Autorin: Agneta Melzer
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2012