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Aufsuchende Hilfen


Problemstellung

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sind in akuten oder chronischen Krankheitsphasen oft nicht in der Lage, zentrale Anforderungen ihres Lebens zu bewältigen. Dazu zählen Ernährung, Hygiene, Tagesstruktur, Einnahme von Medikamenten, Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten, Aufrechterhaltung sozialer Kontakte u.a.

Aufgrund der Krankheitssymptomatik (bzw. ihrer psychischen Behinderung) ist es Erkrankten jedoch häufig nicht möglich, für diese Lebensbereiche Hilfe zu suchen oder auch im Angebot vorhandene Hilfen zu akzeptieren. Damit bestehen für eine große Anzahl von Menschen (mit psychischer Behinderung) Barrieren, die gegen geltende Gesetze und die UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen verstoßen.


Angehörige stehen dieser Situation meist hilflos, ohnmächtig und überfordert gegenüber, da auch ihre Hilfsangebote von den Erkrankten oft nicht angenommen werden. Ohne Intervention von außen kann sich der Gesundheitszustand jedoch weiter verschlechtern, die negativen Folgen verstärken sich und die Chancen auf Rehabilitation sinken bei längerem Andauern von Krisen dramatisch.

 

Zielsetzungen bzw. Forderungen

  

  • Da der Verlust der Fähigkeit, für die eigenen Interessen Sorge zu tragen, Teil (Symptom) vieler (schwerer) psychischer Erkrankungen ist, müssen Barrieren für die Hilfe, Unterstützung und Therapie vermieden werden.
  • Jenen Menschen, denen es nicht möglich ist, Hilfsangebote aufzusuchen, muss die Möglichkeit geboten werden, dass aufsuchende Helfer aktiv auf sie zugehen.
  • Entsprechend dem tatsächlichen Bedarf der psychisch erkrankten Menschen sollen aufsuchende Hilfen abgestuft bereitgestellt werden.
  • Alle derzeit als notwendig erkannten psycho-sozialen und psychiatrischen Angebote (z.B. Wohnbetreuung, Arbeitsassistenz, Tagesstruktur, therapeutische Angebote, Rehabilitation, psychiatrische Behandlung, Kriseneinsatz), die derzeit stationär oder ambulant institutionalisiert sind, sind zusätzlich auch als regelmäßig aufsuchende Variante einzurichten.
  • Die Angehörigen in allen Bundesländern fordern besonders dringend einen flächendeckenden, aufsuchenden Krisendienst, der täglich 24 Stunden einsatzbereit ist. Dafür sind uns folgende Kriterien wichtig:
    • Ein solcher Krisendienst kommt an den Ort der Krise, nimmt sowohl die Position des Betroffenen als auch jene der Angehörigen wahr. Er analysiert das Problem mit den Beteiligten durch Gespräche auf Augenhöhe und versucht, Vertrauen auf- und Ängste abzubauen. Im Mittelpunkt steht die Frage „Wie können wir Ihnen helfen“. Das Ziel ist die Erarbeitung von Lösungen.
    • Besonders wichtig ist, dass aufsuchende HelferInnen behutsam und empathisch einen guten Zugang zum/zur Betroffenen finden – dazu bedarf es einer starken Persönlichkeit mit hoher sozialer Kompetenz. Die HelferInnen können aus verschiedenen Professionen (v.a. Pflege, Psychologie, Sozialarbeit) kommen, sollten jedoch Erfahrung mit psychisch akut/schwer erkrankten Menschen haben. Ärztliches Personal muss nicht unbedingt vor Ort sein, sondern kann auch als Hintergrunddienst, bzw. je nach Bedarf auf Nachfrage eingebunden werden.
    • Wenn eine Unterbringung laut UbG unausweichlich erscheint, und auch eine außerstationäre Alternative zur Unterbringung (§3 (2)) nicht möglich ist, so ist durch den aufsuchenden Dienst die Unterbringung in die Wege zu leiten, um die Angehörigen von dieser Belastung zu entbinden.

 

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