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Bettina Bärtsch, Micheline Huber

Jobcoaching für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Cover Buch

Ganz aktuell ist heuer in der Edition Praxis-Wissen dieses kompakte Büchlein zum Thema Jobcoaching bei psychischen Erkrankungen erschienen. Was bedeutet dieser Anglizismus nun wieder? werden sich manche von Ihnen  denken. Nun ja, Berufsberatung, aber konkret? Die zwei AutorInnen, PsychologInnen und Jobcoaches in der Schweiz geben hierzu handfeste Antworten. Die beiden schreiben dieses Buch von der Überzeugung geleitet, dass psychisch kranke Menschen ein Recht haben, bei ihrem Wunsch nach Integration in den 1. Arbeitsmarkt unterstützt zu werden und dass die Arbeitsplätze den Fähigkeiten aber auch speziellen Bedürfnissen der KlientInnen angepasst werden müssen und nicht umgekehrt . Dies glauben sie nicht deshalb, weil sie von so einem hohen Ethos gegenüber der Erwerbsarbeit getragen sind, sondern weil sie aus den Erzählungen ihrer KlientInnen miterleben, welch hohen Stellenwert die Arbeit für deren Identität und Selbstwert hat.

 

„Zuerst platzieren, dann trainieren“

Die Begeisterung der AutorInnen für ihr spannendes Aufgabengebiet ist beim Lesen der Lektüre spürbar, wenn sie das Prinzip des Supported-Employment-Konzepts („erst platzieren, dann trainieren“) erklären. Dieser Ansatz geht davon aus, dass die KlientInnen nicht traditionellerweise zuerst verschiedene Rehabilitationsstufen durchlaufen müssen, sondern dass im ersten Schritt ein geeigneter Arbeitsplatz gesucht werden muss, wo die betreffende Person in enger Zusammenarbeit mit dem Behandlerteam und dem Arbeitgeber unterstützt werden soll. Bei der in dem Buch beschriebenen Form des Jobcoaching gibt es keine Ausschließungsgründe, alleine der Wunsch der KlientInnen, am 1. Arbeitsmarkt tätig sein zu wollen, zählt. Die Dauer des Jobcoaching wird individuell gestaltet und ist sehr praktisch und konkret: Die Jobcoaches informieren ihre KlientInnen über versicherungstechnische und rechtliche Fragestellungen und betreiben gezieltes Networking, um attraktive Stellen für ihre KlientInnen zu finden. Sie arbeiten systemisch, lösungs- und kompetenzorientiert mit einer Vielfalt an Beratungs- und Therapiemethoden.

Zahlreiche Fallbeispiele

Mit vielen Beispielen unterlegt werden die Inhalte der Beratung vom Erstkontakt bis zum Abschluss des Coachings, das durchschnittlich 6 – 12 Monate dauert, jedoch grundsätzlich unbeschränkt möglich ist. „Die Zielarbeit ist für den Erfolg des Jobcoachings entscheidend. Der Jobcoach achtet darauf, dass der Klient mit dem Auftraggeber im vorgegebenen Rahmen eigene, positive Ziele festlegen kann.“ (S. 34) Dabei geht es um Arbeitsbereiche wie die Erstellung von Bewerbungsunterlagen, die Stellensuche, Vorstellungsgespräche etc. Aber auch für psychiatrische Notfälle werden Krisenpläne erstellt.

Darüber hinaus werden im Buch zentrale Themen und Gefühle der KlientInnen (Ängste, Kommunikation der Erkrankung, Leistungsfähigkeit, Konflikte am Arbeitsplatz, Umgang mit Kritik, Arbeitsdruck etc.) wieder illustriert mit zahlreichen Fallbeispielen besprochen. Man bekommt einen guten Einblick in Herausforderungen der Tätigkeit eines Jobcoaches. Der Zusammenarbeit mit dem sozialen Umfeld der KlientInnen messen die Jobcoaches aus der Schweiz einen hohen Stellenwert bei und sie haben hier keine Berührungsängste, mit den unterschiedlichen Lebenswelten (Angehörige, Arbeitgeber, professionelles Betreuungssystem der KlientInnen) in Kontakt zu treten. Als Herzstück der Systemarbeit werden die Roundtables mit den ArbeitgeberInnen gesehen, wo die Coaches immer wieder in Konfliktsituationen unterstützend eingreifen können, um auftauchende arbeitsbedingte Themen klären zu helfen.

Tatkräftige Hilfe

Wie das Jobcoaching erlebt wurde, beschreibt eine Klientin wie folgt: „Für mich war im Jobchoaching wichtig, zu wissen, dass ich nicht allein dastehe. Dazu gehörte nicht nur die Unterstützung in den Beratungsstunden selbst, sondern auch tatkräftige Hilfe, sollte etwas schieflaufen. Ich wusste, dass die Jobcoachin im Notfall auch mit Arbeitgebern etc. spricht, statt mir nur Tipps zu geben, mit denen ich es am Ende doch wieder allein hinkriegen muss. Dies gab mir eine Sicherheit, aus der ich viel Kraft und Zuversicht für die Arbeitssuche schöpfte. Ohne Jobcoaching wären der Stress und die Belastung viel, viel größer gewesen. Für mich war es wichtig, zu wissen, dass meine Jobcoachin an mich glaubt, auch dann noch, als nach längerer Zeit keine Festanstellung in Sicht war.“ (S. 157)

Ein einfach zu lesendes, praktisches Buch – sowohl für Laien, als auch für im Jobcoaching tätige Professionelle empfehlenswert!


Für Sie rezensiert: Daniela Schreyer


Autorinnen:
Bettina Bärtsch, Micheline Huber
Verlag: Psychiatrie-Verlag, Köln 2019
ISBN: 978-3884146873

 

 

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