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25. November 2018 - Tirol

Psychosozialer Krisendienst für Tirol soll 2019 starten

HPE-TIROL hat 2013 durch eine Petition an den Tiroler Landtag eine neue Dynamik in die stockende Psychiatriereform gebracht, die von der Landesregierung aufgegriffen und inzwischen schrittweise konkretisiert wurde.


Derzeit ist auf Landesebene eine neue Struktur von Gremien im Aufbau, die gemeinsam mit der Landesregierung bei der Planung und Organisation psychosozialer Maßnahmen vorbereitend und beratend aktiv sein wird. Auf allen Ebenen dieser Struktur sind Organisationen von Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung und von Angehörigen eingebunden.


Anfang Dezember befasst sich die Landes-Zielsteuerungskommission des Tiroler Gesundheitsfonds mit dem schon länger vorliegenden Konzept eines Psychosozialen Krisendienstes, um nach jahrelangen Vorbereitungen, aber auch Verzögerungen, eine Umsetzung mit Beginn des Jahres 2019 zu starten. In Osttirol gibt es bereits einen solchen Dienst, jetzt geht es um Nordtirol.


Ein aufsuchender Krisendienst war den Betroffenen und Angehörigen deshalb so wichtig, weil sie sich in schweren Krisen oft alleine gelassen fühlen. Sie benötigen oft schnelle, verlässliche und unbürokratische Intervention vor Ort. Ein zeitgerechtes Aufsuchen einer psychiatrischen Ambulanz oder eines niedergelassenen Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie kann mit unzumutbaren Hürden verbunden sein. Eine Versorgung auf einer Station ist oft nicht das primäre Ziel einer Krisenbewältigung, vielmehr soll eine Krise auch im gewohnten Umfeld bewältigt werden können. Es ist also unbedingt ein Setting zu schaffen, bei dem auch Angehörige mit einbezogen sind, die im Falle einer stationären Behandlung meist außer Acht gelassen werden. Krisen betreffen das ganze Umfeld, nicht nur die Betroffenen alleine. Es geht um eine psychosoziale Krisenbewältigung, bei der eine Deeskalation und eine Abklärung der weiteren Vorgangsweise im Vordergrund der Bemühungen stehen soll - nicht immer vorwiegend um eine psychiatrische Intervention.


Jetzt wird – wenn alles gut geht - an den besonders kritischen Wochenenden ein aufsuchender psychosozialer Krisendienst gestartet. Univ.-Prof. Christian Haring, Primar der Psychiatrie und Ärztlicher Direktor des Landeskrankenhauses Hall hat im Auftrag der Landesregierung ein Konzept erarbeitet. Offenbar werden noch einige Detail verhandelt, bevor die Zielsteuerungskommission des Tiroler Gesundheitsfonds die Finanzierung und den Start freigibt. Politisch Verantwortliche haben bereits positiv Stellung zu diesem Vorhaben genommen, der Ball liegt jetzt bei den Kommissionsmitgliedern.


Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg bezeichnete es als wichtig, dass der „Psychosoziale Krisendienst“ weder die Kriseninterventionsteams (KIT) des Roten Kreuzes noch regionale Hilfsangebote ersetzen soll. Vielmehr soll eine mobile Eingreiftruppe in Kooperation mit der Leitstelle Tirol ein zusätzliches Angebot für rasche und professionelle Hilfe in psychischen Notlagen sicherstellen. Die vorläufigen Kosten beziffert er mit gut 300.000 bis 350.000 Euro.


Da 25% psychiatrischer Notfälle an Wochenenden passieren, somit außerhalb der Ordinationszeiten, soll in der ersten Phase der Umsetzung ein Krisendienst von Freitagabend bis Montagmorgen verwirklicht werden – sowie auch an Feiertagen. Die Erfahrungen werden evaluiert und in die Planung weiterer Maßnahmen einbezogen.

 

 

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