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"Raus aus meinem (Un)Ruhe Zustand"

Impressionen von der HPE Angehörigentagung 2015

Was bedeutet dieser Tagungstitel eigentlich? Von welchem Zustand soll man „rausgehen“, soll man eher ruhig werden oder eher unruhig? Ist einer der Zustände der bessere?

HPE Tagung 2015

Mein Weg zu mehr Handlungsfähigkeit

Im Workshop „Meine Wege zu mehr Handlungsfähigkeit“ haben wir uns damit beschäftigt: Es geht gar nicht so sehr darum, ob einer dieser Zustände gut oder schlecht ist; es geht darum, in welchem Zustand man handlungsfähig ist. Sowohl aus einem Unruhe- wie auch aus einem Ruhezustand kann man handlungsfähig werden; aber sowohl der Unruhe- wie auch der Ruhezustand können lähmend sein. Und aus diesem Zustand der Lähmung muss man „raus“.

Wieder habe ich eine HPE Jahrestagung besucht und wieder haben mich Gedanken und Anregungen noch Tage danach beschäftigt.

Tagung 2015

Kraft aus Erfahrungen

Wie noch nie habe ich dieses Mal die Kraft der Angehörigen und ihrer Schicksale gespürt. Dies hat bereits zum Start der Tagung begonnen an dem drei Angehörige ihr Schicksal erzählt haben. Stärker und beeindruckender hätte ein Anfang nicht sein können. Wir alle haben mitgelitten, mit bewundert und mit geweint. Und diese Kraft aus den Erfahrungen und Bewältigungsstrategien hat sich durch alle Diskussionsbeiträge und Workshops, die ich besucht habe, fortgepflanzt. 

Einen wichtigen Teil der HPE Tagungen machen natürlich die Beiträge der Fachleute aus:

  • Cassandra Cicero und Huberta Haider von FEM Süd - "Warum gerade ich?"
  • Gabriele Pitschel-Walz von der Psychiatrieabteilung der TU München - "Wieder handlungsfähig werden"
  • Claudia Dahm-Mory von der Universitätsklinik Leipzig - „Wie sag ich's bloß?“ 

Eine 6 oder eine 9? - Der Blickwinkel entscheidet.

In Ihrem Beitrag "Wie sag ich's bloß? - Wie Kommunikation mit einem psychisch erkrankten Familienmitglied gelingen kann" erzählt Frau Claudia Dahm-Mory viel Interessantes und  Praktisches zum Thema Kommunikation. Kommunikation ist ja sogar im Umgang  mit gesunden Menschen nicht immer einfach, mit den psychisch erkrankten Angehörigen aber oft dramatisch schwierig. Eigentlich sind es ganz grundlegende Dinge die bildlich und beispielhaft exzellent von der Referentin dargeboten werden.
Die Kenntnis solcher und noch anderer Beispiele kann in schwierigen Situationen im Umgang mit psychisch Erkrankten helfen! Und wieder, wie schon so oft, frage ich mich, warum man solche „Weisheiten“ für den Umgang mit Menschen nicht  bereits in der Schule lernt!

"Wie sag ich's bloß? - Wie Kommunikation mit einem psychisch erkrankten Familienmitglied gelingen kann"  Vortrag von Dipl.-Psych. Claudia Dahm-Mory als pdf

Schauspielern bringt neue Erkenntnisse

Nicht unerwähnt darf der letzte Programmpunkt - das „Psychodrama“ - bleiben.  Schwierige und typische Situationen aus dem Alltagsleben werden als Theaterszene von uns Laien dargestellt und der Handlungsverlauf kann durch das Eingreifen des Publikums verändert und herumgerissen werden. Die oft sehr harten Tatsachen, die die meisten Angehörigen sehr gut kennen, werden durch das ungewohnte Theaterspielen und die ans Tageslicht kommenden verborgenen schauspielerischen Talente als erlösend und erheiternd empfunden.

Die abschließende Beurteilung der Situation durch die Fachfrau Claudia Dahm-Mory bringt auch hier Zusammenhänge ans Licht, die solange man in der Situation verstrickt ist, gar nicht sieht.

Zur Erinnerung an die Tagung sollte sich jede TeilnehmerIn eine der im Tagungsraum an Schnüren aufgehängten Motiv-Ansichtskarten aussuchen und jenes Zitat dieser Tagung auf die Rückseite schreiben, das für sie oder ihn besonders berührend war. Ich habe die Aussage einer Betroffenen gewählt:

„Außenstehende haben an mir keinerlei Veränderung bemerkt – dabei ist in mir in so vielen kleinen Schritten so viel vorangegangen“.

Veronika Zwatz-Meise
Vorstandsmitglied HPE Wien