Stigma    ... geht uns alle an

Psychische Erkrankungen gehen uns alle an.

Über psychische Erkrankungen wird wenig gesprochen, und davon betroffen sind immer nur die anderen. Tatsache ist jedoch, dass in nahezu jeder Familie bzw. Verwandtschaft, jedem Freundeskreis, jemand unter psychischen Problemen leidet. Ist die Erkrankung schwerer, ist das Zusammenleben oft schwierig und andere Familienmitglieder leiden mit.
 
"Wenn ich einem Bekannten oder Kollegen erzähle, dass ich mich in der Selbsthilfe für Angehörige psychisch Erkrankter engagiere passiert es oft, dass dieser dann sehr offen von einer Tante, einem Grovater oder dem Bruder erzählt, der psychische Probleme hat bzw. hatte und wie sich das auf die Familiensituation ausgewirkt hat. Ich bin davon berzeugt, dass jede/r jemanden aus ihrem/seinen nheren Umfeld kennt, der/die unter psychischen Erkrankung leidet."
 
Worüber nur selten geredet wird:
  • Jeder vierte Mensch (25%) leidet einmal in seinem/ihrem Leben an einer schweren psychischen Erkrankung (WHO).
  • Es leiden ebenso viele Menschen an Schizophrenie wie an Zuckerkrankheit (Diabetes; ca. 1% der Bevlkerung). Schizophrenie kommt berall auf der Welt - ohne kulturelle Unterschiede - ungefähr gleich häufig vor. Die Möglichkeiten der Behandlung sind sehr wohl regional sehr unterschiedlich.
  • Depressionen zählen überhaupt zu den häufigsten Erkrankungen weltweit.
  • Von den 20 hufigsten Erkrankungen, mit denen junge Menschen (15-44 Jahre) leben sind sieben psychische Erkrankungen - Angeführt von Depressionen. Zum Vergleich: Asthma ist an 10. Stelle, HIV/AIDS an 18. Stelle, Diabetes an 20. Stelle
  • In Österreich werden jährlich mehr als 3 Millionen Packungen mit Medikamenten gegen Depressionen (Antidepressiva) verkauft. Jährlich werden mehr als 120 Millionen Euro für Psychopharmaka (Medikamente gegen psychische Erkrankungen) ausgegeben
  • Im Jahr 2001 starben in Österreich 958 Menschen bei Verkehrsunfällen, aber 1498 Menschen starben durch Selbstmord.
  • Leider müssen pro Jahr mehr als 14.000 mal Personen gegen ihren Willen (entsprechend dem Unterbringungsgesetz) in eine Psychiatrie gebracht werden.
  • In Österreich gibt es mehr als 5.000 Betten in Psychiatrischen Krankenhäusern bzw. Abteilungen. In diesem Bereich gibt es jhrlich mehr als 45.000 Aufnahmen auf den Stationen. Die meisten dieser PatientInnen leiden an Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie oder Affektiven Erkrankungen (Depressionen, Manie).
  • Einer von zwanzig Patienten (5%) in einem allgemeinen Krankenhaus (ohne Psychiatrie) hat eine psychiatrische Diagnose, die meisten dieser Personen sind an einer Abteilung für Innere Medizin.
  • Untersuchungen haben gezeigt, dass ca. 30% aller PatientInnen in Krankenhäusern neben ihren körperlichen Erkrankungen auch unter psychischen Erkrankungen leiden.
  • Die häufigste Ursache dafür, dass Menschen eine Berufsunfähigkeitspension in Anspruch nehmen müssen sind Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates (Wirbelsule, Gelenke, u.s.w.), aber bereits die zweithäufigste Ursache sind psychiatrische Erkrankungen - und ihre Zahl nimmt stark zu! Bei Personen unter 40 Jahren sind in fast 50% der Anträge psychische Erkrankungen der Grund für die Pensionierung.