Stigma    Oliver
Oliver schafft es seit Tagen nicht aufzustehen. Er fühlt sich derart kraft- und antriebslos, dass er die meiste Zeit grübelnd und an die Decke starrend in seinem Bett verbringt. Nichts, was ihm früher Spaß gemacht hat, ist jetzt für ihn von Interesse. Er liest nichts, schaut nicht fern und möchte mit niemandem reden – vom Lernen für das Studium ohnehin keine Rede. Er fühlt sich als größter Versager aller Zeiten und es kommt ihm so vor, als hätte er alles in seinem bisherigen Leben falsch gemacht. Seit die Beziehung zu Maria zu Bruch gegangen ist, empfindet er sein Leben als völlig sinnlos. Immer wieder kreisen seine Gedanken darum, was er in der Partnerschaft alles falsch gemacht hat, wo er zu wenig einfühlsam war und sich zu wenig angestrengt hat. Eigentlich ist er ohnehin davon überzeugt, dass Maria einen besseren Mann als ihn verdient hat. Auch ist er sich ziemlich sicher, dass er aufgrund zunehmender Verdummung – er kann sich überhaupt nicht mehr konzentrieren - sein Studium nie wird abschließen können. Oliver hat jede Hoffnung an eine positive Zukunft verloren.
Oliver ist schwer depressiv. Wenn seine Eltern ihm vor Augen führen, welch großartiger Leistungen er schon in seinem Leben erbracht hat (Oliver hat die Matura mit Auszeichnung bestanden!), hat er den Eindruck, dass dies nichts mit ihm zu tun hätte – Aufmunterung kann er nicht annehmen. Sein Gefühl, nicht gut genug zu sein, nichts mehr Wert zu sein, sind so stark, dass er große Angst vor zwischenmenschlichen Kontakten hat.
Olivers Mutter hat die Veränderung ihres Sohnes schon längere Zeit beobachtet, es aber immer auf die Trennung von seiner Freundin geschoben. Vor 2 Monaten hat sie versucht, ihn zu einer Psychotherapie zu motivieren, ohne Erfolgt, denn Oliver möchte nicht reden, er ist der Meinung, dass ihn ohnehin niemand mehr helfen kann. Doch jetzt ist der Zustand ihres Sohnes so bedrohlich, dass er kaum mehr essen und trinken kann und auch immer wieder signalisiert, dass er nicht mehr Leben möchte, aber keine Kraft hat, sich umzubringen. Sie lässt Oliver mit der Rettung ins Psychiatrische Krankenhaus bringen. Oliver wirkt sehr entlastet aufgrund der Entscheidung seiner Mutter, denn er selber wäre nicht mehr in der Lage gewesen, sich Hilfe zu holen.
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