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© Bild Jacqueline Kacetl
In allen Medien schilderten Nachrufe anlässlich seines so frühen Todes das sozialpsychiatrische Lebenswerk des Verstorbenen in Wien. Unsere Organisation hat von ihren Anfängen an viel davon miterlebt und möchte diesem gemeinsamen Erleben zum Abschied hinzufügen: Er hat es nicht immer leicht mit uns gehabt.
Überzeugt von seiner eigenen – man kann wirklich sagen – Berufung, autorisiert aus ärztlichem Expertentum und der in den Anfängen der Reform noch ungebrochenen patriarchalischen Grundhaltung überall in der damaligen Medizin stand er den frustrierten, bekümmerten und alleine gelassenen Angehörigen von psychisch Erkrankten, vor allen den Müttern, gegenüber, die nicht beruhigt werden wollten, sondern die vehement Veränderungen, bitter notwendige Reformen in der Versorgung ihrer Lieben forderten und die aus ihrem Expertentum in eigener Sache heraus dabei mitdenken, mitreden und mit gestalten wollten. In den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrtausends war dies ein durchaus noch ungewöhnliches Unterfangen im Sinne der Frage des alten Kaisers. „Ja derfen's denn das?“
Im Laufe der Jahre aber sind alle Beteiligten im Sinne des Machbaren und der demokratischen Weiterentwicklung weiser geworden – die Kanten haben sich abgeschliffen und manch verständnisvolles, kluges Gespräch bleibt in unserer Erinnerung. Wir haben das ehrliche Bemühen in der sozialpsychiatrischen Stoßrichtung anerkannt und die Angehörigen wurden zunehmend als Mitstreiter akzeptiert.
Die Wiener psychosozialen Einrichtungen halfen fühlbar bei der Entstigmatisierung und der Entlastung der Familien mit psychisch Kranken. Dafür sind wir dankbar. Eine große Persönlichkeit prägte einen wichtigen Abschnitt der Psychiatriegeschichte in Wien mit unverwechselbarer Handschrift. Vieles davon wird bleiben und als Grundlage für weitere positive Entwicklungen in der Zukunft dienen.
Mag. Ingrid Rath
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