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27. November 2009 - Wien
Hürden überwinden

Rückschau auf die Veranstaltung

 

Nach der Begrüßung und Einleitung durch Mag. Edwin Ladinser und DSA Daniela Schreyer brachte Gemeinderätin Mag. Sonja Ramskogler, selbst Psychologin und Psychotherapeutin, in Vertretung von Gesundheitsstadträtin Wehsely Grußworte und wies auf die Wichtigkeit dieser von HPE organisierten Veranstaltung hin.

 

Als professionelle Vertreter in der Runde der DiskutantInnen eröffneten Mag. Thomas Wick vom Cafe-Max, einer Berufsqualifizierungsmaßnahme für langzeitarbeitlose psychisch erkrankte Menschen und DSA Stefan Grasser von IBI-Arbeitsassistenz, einer Beratungsstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen, die einen (Wieder-)Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt planen, mit der Schilderung eines erfolgreich verlaufenen Betreuungsprozesses aus ihrer Institution den Reigen.

 

In beiden Fallberichten ging es um Menschen mit psychischen Erkrankungen, die sich immer wieder, trotz großer Unsicherheiten und schon erlittener Niederlagen, in die Arbeitswelt gewagt haben. Die Arbeitsreha- und Integrationsexperten beschrieben, wie es im Beratungs- und Betreuungsprozess anfangs vor allem darum geht, gemeinsam mit den KlientInnen zu erkunden, wo die Fähigkeiten, Kenntnisse und Interessen liegen, aber sich auch mit den Einschränkungen auseinander zu setzen und diese mit der aktuellen Arbeitsmarktsituation abzugleichen.

 

In den Beschreibungen wurde deutlich, wie wellenförmig der Prozess des Erkundens und Entdeckens neuer Behandlungs- und Handlungsmöglichkeiten, Überwinden von Unsicherheiten, Überprüfen von Fähigkeiten, der konkreten Arbeitserprobung und des Beginns einer Arbeit verläuft, und wie stark auch immer die nicht einplanbaren Faktoren wie Zufall und Glück mitmischen, um Arbeit zu finden oder diese auch halten zu können. Viele Gespräche seien notwendig, um die KlientInnen dabei zu motivieren, wieder Mut zu fassen, nach Versagenserlebnissen wieder aufzustehen, die gesetzten Ziele zu überprüfen und neu zu formulieren.

 

DSA Stefan Grasser erwähnte, dass jene KlientInnen, die einen Job am 1. Arbeitsmarkt finden, der dann tatsächlich über einen sehr langen Zeitraum auch gehalten werden kann, eher die Minderheit darstellen und Personen wie die von ihm geschilderte Frau M. sind mit ihrem Auf und Ab von Versuchen und Rückschlägen sehr typisch für die Betreuungstätigkeit bei IBI. Für viele dieser KlientInnen kann der 1. Arbeitsmarkt aufgrund der Erkrankungsverläufe keinen Daueraufenthaltsort darstellen, sondern er wird im Laufe des Lebens immer wieder für kürzere Zeiträume aufgesucht.

 

Besondere Beachtung fanden die Berichte von zwei Männern, die psychische Erkrankung selbst erfahren und einen Weg für sich gefunden haben, trotz ihrer Beeinträchtigungen ein sinnvolles tätiges bzw. erwerbstätiges Leben zu führen.

 

Mag. Martin Hoffmann, der in Begleitung von Silvia Ballauf von der pro mente Wien kam– die in ihren Ausführungen ach das „Projekt Freibrief“ (siehe Kasten Seite...) vorstellte, erzählte, wie ihm durch die Unterstützung der Peerberatung vor allem die Ängste vor einer psychiatrischen Behandlung genommen wurden und wie ihm das Mentoring geholfen hat, mit der Erkenntnis fertig zu werden, dass er an seinem früheren Arbeitsplatz nicht mehr zurückkehren kann und weiter dabei hilft, neue berufliche Standbeine für sich zu finden.

 

Er fasste kurz und prägnant in 3 Punkten zusammen, was seiner Erfahrung nach auf dem Weg der Genesung hilft:

Für Betroffene:

1. Akzeptieren, dass man an einer Erkrankung leidet

2. Professionelle Hilfe annehmen

3. Sich Zeit nehmen

Für Angehörige:

1. Akzeptieren, dass ein Familienmitglied an einer Erkrankung leidet

2. Sich Information holen

3. Unterstützen, Da-Sein aber nicht bedrängen

 

Sein hoffnungsvolles Credo am Ende seiner Ausführungen lautete: Nicht aufgeben, das Leben geht weiter!

 

Anton Solta zeigte, dass auch ein fortgeschrittenes Altern noch nicht das Ende des Berufslebens bedeuten muss. Er hat in der Mitte des Lebens mit Hilfe von ITS Laube (siehe S........) begonnen, sich mit neuen Medien auseinandergesetzt und ist jetzt nach einer ebenfalls von vielen Fehlschlägen aber auch vielen Neustarts geprägten beruflichen Laufbahn, wie er selbst so pointiert formulierte, „als Antiquar in einem Antiquariat gelandet“, wo er sich sehr wohl fühlt und als Mitarbeiter geschätzt wird.

 

In der nach der Pause folgenden Podiumsdiskussion kamen viele kritische Anmerkungen aus dem Publikum. Immer wieder war das AMS mit seiner leider häufig sehr mangelhaften Beraterkompetenz Zielscheibe der Beschwerden, aber auch die Schwierigkeiten, sich angesichts der unterschiedlichen Projekte und Beratungseinrichtungen als NutzerIn einen Überblick zu verschaffen, wurden thematisiert.

 

Weiters wurde das Problem der „fehlenden Übergänge“ andiskutiert. Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen brauchen oft eine stufenweise Annäherung an den 1. Arbeitsmarkt, „Alles oder Nichts“-Lösungen, d.h. sofort 30 – 40 Stunden in einem Projekt arbeiten müssen, oder zum Nichts-Tun verurteilt zu sein, weil man diesen Anforderungen noch nicht gerecht wird, werden den Bedürfnissen dieser Zielgruppe, deren Arbeitsfähigkeit je nach Erkrankungsphase sehr schwanken kann, nicht gerecht.

 

In diesem Zusammenhang wurde neben dem unübersichtlichen Neben- und Durcheinander an Projekten und ihren Zuständigkeiten deutlich, wie sehr die einzelnen arbeitmarkt- bzw. beschäftigungspolitischen Einrichtungen, die den sogenannten 2. Arbeitsmarkt bilden, der als Vermittlungsdrehscheibe und Sprungbrett in den 1. Arbeitsmarkt geschaffen wurde (z.B. sozialökonomische Betriebe), unter dem Effizienzdruck der Fördergeber stehen. Die Notwendigkeit, den in den Auflagen festgeschriebenen Vermittlungsquoten gerecht zu werden, macht es notwendig, gezielt „förderungswürdige“ Personen mit den größten Aussichten auf Wiedereingliederung in den 1. Arbeitsmarkt auszuwählen, was zur Folge hat, dass gerade jene Personen, die am dringendsten Hilfe bei der Arbeitsintegration bräuchten, abgewiesen werden müssen.

 

Wieder einmal wurde deutlich, wie wichtig der Ausbau eines „3. Arbeitsmarktes“ für eine bestimmte immer größer werdende Gruppe psychisch erkrankter Menschen wäre, wo beispielsweise die Betroffenen in Integrationsfirmen auf Dauerarbeitsplätzen untergebracht werden könnten, für die eine Integration in den 1. Arbeitsmarkt nicht oder nicht mehr in Frage kommt.

 

Zum Abschluss wurde betont, wie notwendig die Vernetzung der Einrichtungen zur Arbeitsrehabilitation psychisch erkrankter Menschen untereinander und die Wichtigkeit der HPE als Informationsplattform ist, wo viele Fäden zusammen laufen und sich in einem Pool an Erfahrungswerten sammeln.

 

 

Eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes "Rückhalt durch Angehörige"

"Ein vom Bundessozialamt/Landesstelle Wien finanziertes Projekt aus Mitteln der Beschäftigungsoffensive der österreichischen Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen"

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