Aktuell    Berichte
15. Juli 2009 - Wien
Sichtbar werden! Sichtbar machen!


Rund 80 TeilnehmerInnen von 30 Mitgliedsorganisationen der Armutskonferenz waren von 6. – 8. März 2009 aus ganz Österreich zusammengekommen, um Strategien der Armutsbekämpfung zu diskutieren. 12,6% der österreichischen Bevölkerung sind armutsgefährdet. 5,6% leben in manifester Armut. Besonders betroffen sind ältere Arbeitslose, Frauen, AlleinerzieherInnen, Menschen mit geringer Ausbildung, Frauen mit Pflegeaufgaben etc. Psychische Beeinträchtigung und Krankheiten spielen in der Armutsbekämpfung eine wichtige Rolle. Sozialrechtliche Hilfen und leistbare psychotherapeutische Unterstützung, Begleitung in psychischer Anspannung sind notwendig.
In den Vorbereitungssitzungen wurde beschlossen, Sozialexperten und Politiker zu einem Weltkaffee einzuladen, um ihnen bei Kaffee und Kuchen in entspannter Atmosphäre unsere Initiativen, Ideen, Möglichkeiten und Hindernisse der Armutsbekämpfung vorzutragen. Von den geladenen Gästen sagte kaum jemand ab, sogar unser Bundespräsident Heinz Fischer sagte sein Kommen zu.

Am Freitag-Nachmittag hatten wir noch intensive Vorbesprechungen. An 13 Tischen nahmen schließlich die Geladenen Platz. Wir wurden schon vorher durch das Los den Politikern zugteilt. BM Rudolf Hundstorfer und 16 weitere EntscheidungsträgerInnen und Behördenvertreterinnen, nahmen sich Zeit, bei Kaffee und Kuchen mit uns zu diskutieren.

Ich war Herrn Mag. Schaller vom Sozialministerium zugeteilt und konnte ihm unseren Verein HPE vorstellen. Es ging mir darum, ihm die Sorgen und Probleme unserer Angehörigen und ihrer betroffenen Familienmitglieder darzustellen. Ich fand einen sehr wohlwollenden Zuhörer.
Nach einer ¾ Stunde kam ich durch neuerliches Losen zu Frau Dr. Ingrid Nikolay-Leitner, seit 1991 offizielle Anwältin für Gleichberechtigung. Auch sie versorgte ich mit HPE-Unterlagen. Ich hoffe, ich konnte sie überzeugen, wie notwendig es ist, Diskriminierung und Ausgrenzung von psychisch Kranken, aber auch deren Angehörigen mit allen Folgen zu bekämpfen. Sie betonte unseren Standpunkt zu verstehen und Lösungsvorschläge zu befürworten.
Unsere beiden anderen Vertreter von HPE, Frau Dr. Feest und Herr Schilcher, waren dem Tisch der Frau Mag. Brigitte Papst, die für Strategie und Marketing der Wiener Volkshochschulen zuständig ist, zugeteilt.

Unsere HPE-Vertreter regten Ermäßigung für psychisch Kranke mit einem Mindesteinkommen oder sogar eine Freistellung von Gebühren an, ebenso begünstigtes Fernstudium für jene, die aus unterschiedlichen Gründen eine öffentliche Lernsituation nicht aushalten.

Am zweiten Tisch trafen sie mit Herrn Mag. Norman Wagner und Herrn Dr. Josef Wöss, beide von der Arbeiterkammer Wien, zusammen. Es wurden Fragen des Wiedereinstiegs und Sicherung des Arbeitsplatzes besprochen. Das Thema „Schuldenfalle“ brachte Herr Schilcher vor als große Schwierigkeit für psychisch erkrankte Personen bei einem Wiedereinstiegsversuch in die Arbeitswelt. Herr Schilcher bot seine ehrenamtliche Mitarbeit in der Schuldnerberatung an.

Am Samstag vormittag bemühten sich die Teilnehmer, in kleinen Gruppen eine öffentliche Aktion am Graben in Wien vorzubereiten. Plakate wurden entworfen und gezeichnet. Kleine Säckchen mit Werbeslogans zum Verteilen vorbereitet, Theaterstücke wurden von Gruppen geübt, Luftballonaktion geplant.
Am frühen Nachmittag herrschte starker Wind. Es goss in Strömen!
Was tun? – Ein Verlegen an einen geschützten Platz oder ein Verschieben auf den Sonntag war aus polizeilichen Gründen nicht möglich. Wegen der vielen TeilnehmerInnen aus den Bundesländern war auch eine Verlegung an einen anderen Tag nicht durchführbar.
Schließlich wurde beschlossen, trotz denkbar ungünstigem Wetter die „sichtbare Demonstration“ etwas verkürzt durchzuführen, mit freiwilliger Teilnahme der Anwesenden, die sich wetterfest fühlten. Die meisten TeilnehmerInnen fuhren mit zum Graben. Passanten waren wenig unterwegs, aber es gab doch etliche Gespräche und keine Ablehnung der Aktion. Von Presse und Rundfunk war leider niemand erschienen.
Ein gemütliches Beisammensein am Brunnenmarkt rundete am Abend die gelungene Veranstaltung ab.

Herta Frenzel

Zurück