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Am Montag, den 23.6.2008 hatten RepräsentantInnen der HPE und des Vereines bzw. der Beratungstelle <omnibus> die Möglichkeit, das Projekt Gemeinsam Leben Lernen (GLL) in Fußach vor Ort näher kennen zu lernen.
Es handelt sich bei GLL um ein teilstationäres Angebot, welches seit 11 Jahren existiert und vom Land Vorarlberg aus Mitteln des Sozialfonds als Verein finanziert wird. Vorgestellt wurde uns das Projekt von Mag.Ferdinand Lerbscher, dem therapeutischen Leiter von GLL.
Mag.Lerbscher betont, dass es sich bei GLL nicht um eine klassische psychiatrische Betreuungseinrichtung handelt, sondern um ein offenes psychotherapeutisches Angebot (intern wird von einer „Lebensschule“ gesprochen), dass sich bewusst vom medizinischen Milieu absetzt und die Verantwortung primär bei den betreuten Menschen, welche als Gäste verstanden werden, lässt.
Ein wesentlicher Teil des therapeutischen Konzeptes ist das „Bad Herrenalber Modell“, nach welchem auch einige psychosomatische Kliniken in Deutschland arbeiten: Defizitäre Denk-/Verhaltensmuster sollen aufgezeigt und verdeutlicht werden. Jeder Einzelne ist eingeladen, seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse wieder zu entdecken und zu lernen, diese in der Auseinandersetzung mit der Umwelt neu zuzulassen.
Wichtig ist der spirituelle Ansatz des Konzeptes und auch die sog. Bondingtherapie zählt zu den Kernmethoden. Zentrales Element der therapeutischen Gemeinschaft sind die Gruppentherapie mit 12 Gästen und vielfältige Körper- und Kreativtherapien.
Die 2 Leitgedanken des Zusammenlebens:
1. Jeder ist für sich und sein Verhalten verantwortlich.
2. Jeder ist ein tragender Teil der Gemeinschaft und hat Verantwortung für die Atmosphäre des Zusammenlebens.
Das Aufnahme-Procedere verläuft wie folgt: Es ist keine Überweisung nötig. Nach einem Erstgespräch kann eine Kennenlernwoche vereinbart werden und bei Einigkeit wird ein Therapie-Vertrag aufgesetzt. Die TeilnehmerInnen der Gruppe sind in der Regel mindestens 3 Monate bei GLL, eine Verlängerung ist möglich.
GLL richtet sich an Menschen mit folgenden Problemstellungen:
- Affektiven Störungen - außer bei akuter Suizidalität
- Schweren neurotischen Entwicklungen wie Angsterkrankungen, Zwangsstörungen,
- Posttraumatische Belastungsstörungen
- Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen wie z.B. Borderline-Erkrankungen und Ich-strukturelle Störungen
- Suchterkrankungen stofflicher und nicht-stofflicher Ausprägung wenn gegenwärtig abstinent
Kontraindikationen sind folgende:
- Wenn eine akute stoffliche Suchterkrankung vorliegt.
- Bei nicht kontrollierbarem impulsivem Verhalten (z.B. Selbstverletzung).
- Bei akuten Psychosen sowie Selbst- und Fremdgefährdung.
- Wenn kein die teilstationäre Behandlung mit tragendes Umfeld vorherrscht.
- Bei dringenden Gründen, sich aus dem Lebensumfeld zu distanzieren (z.B. Gewalt).
- Wenn der Anfahrtsweg zu lang oder aus Krankheitsgründen nicht zu bewältigen ist.
Weitere Infos:
Neben der therapeutischen Gruppe gibt es auch eine Nachbetreuung in Form von angeleiteten Abendgruppen und eine Wohngemeinschaft für 4 Personen. Bei GLL betreute Menschen behalten ihren Facharzt, das GLL schreibt an diese aber keine Berichte. Während der Betreuung ist Alkohol- und Drogenabstinenz Bedingung, Nikotinsucht wird akzeptiert, aber thematisiert.
GLL erscheint eine echte Alternative bei der Bewältigung von gewissen psychischen Problemstellungen zu sein, ob es für den einzelnen eine Möglichkeit der Unterstützung darstellt, kann nur sehr individuell entschieden werden, was sich auch in der unterschiedlichen Resonanz früherer TeilnehmerInnen des Projektes spiegelt.
Projekt Gemeinsam Leben Lernen
Seglerweg 14
A-6972 Fußach
Homepage: www.projekt-gll.at
Telefon: +43 5578 76073
Fax: +43 5578 76073-15
E-mail: mail@projekt-gll.at
Stefan Hagleitner
Beratungsstelle < omnibus<
Interessensvertretung Psychiatrie-Erfahrener
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