Am 15.04.2008 fand die 11. Jahreshauptversammlung von HPE Vorarlberg statt. Wie immer wurden unseren zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen umfassende Informationen über unsere Tätigkeit geboten:
- Selbsthilfe: Der Trend zur Einzelberatung setzt sich fort. Erfreulich ist die zunehmende Teilnahme von Angehörigen mit Migrationshintergrund an den monatlichen Gruppenabenden. Fallweise werden Referenten eingeladen, wie etwa Frau Dr. Ursula Kaufmann, die zum Thema „Psychotherapie bei Psychosen“ referierte.
- Weiterbildung: Vortrag von Dr. Florian Bachmayer zum Thema „Änderungen im Sachwaltergesetz“, für Vorstandsmitglieder 2 Halbtagsseminare mit Herrn Berndt Kühnel zum Thema „ Gruppenmoderation und Einzelgespräche“ und eine Exkursion zur Drogenstation Lukasfeld mit Führung durch Dr. Roland Wölfle.
- Öffentlichkeitsarbeit: Unser Schulprojekt, ein wichtiger Beitrag zur Entstigmatisierung psychisch Erkrankter, wird auch im nächsten Jahr, dank Finanzierung durch das Land, in 27 Klassen durchgeführt. Info-Abende im LKH Rankweil mit Vorstellung von HPE Vorarlberg finden, wie auch in der Schule für psychiatrische Gesundheits-und Krankenpflege, regelmäßig statt.
- Zusammenarbeit mit anderen: Ein wichtiger Austausch zwischen dem LKH Rankweil und externen Stellen sind Schnittstellentreffen, die zweimal jährlich stattfinden. Hervorragend gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Verein <omnibus< (Vereinigung von Psychoseerfahrenen). Geplant ist ein gemeinsamer Besuch beim Projekt „Gemeinsam leben lernen“.
Zu einem offenen Erfahrungsaustausch in wertschätzender Atmosphäre treffen sich Angehörige, Betroffene und professionelle Helfer einmal monatlich beim Trialog. Noch in diesem Jahr, am 9.10.08, findet in der Höchsterstraße 3, Dornbirn, der 100. Trialog statt. Ein „Tag der offenen Tür“ wird zu diesem Anlass veranstaltet.
HPE Vorarlberg ist im Psychiatriebeirat des Landes vertreten. Die Themenbereiche sind vielfältig. Besonders wichtig für Angehörige: die individuelle Hilfebedarfsplanung, Tagesstruktur und Beschäftigung, sowie die Krisenintervention vor Ort und rund um die Uhr. Da seitens der Mitglieder nur Empfehlungen und Anregungen abgegeben werden können, erfordert eine mögliche Umsetzung große Ausdauer und Geduld.
Der Lindauer Kreis ist keine Vereinigung. Etwa 15 Angehörige aus den Ländern rund um den Bodensee treffen sich 3-4mal pro Jahr . Sie pflegen Informations-und Gedankenaustausch und beschäftigen sich Länder übergreifend mit Themen und Projekten der Sozialpsychiatrie aus Sicht der Angehörigen. Im Jahr 2oo7 wurde die Tagung „Sucht und Psychose-Doppeldiagnose“ durchgeführt und fand auch in der sozialpolitischen Landschaft Vorarlbergs Beachtung. Ein neues Thema wurde in diesem Jahr in Angriff genommen: „Auch Kinder sind Angehörige“. Der Lindauer Kreis möchte hinsichtlich Prävention bei Kindern bis zum 14.Lebensjahr wirksam werden.
Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag von Dr. Elmar Weiskopf, FA für Psychiatrie und Außensprecher der Psychosozialen Gesundheitsdienste Vorarlberg, zum Thema „Angehörige und professionell Helfende im Dialog“.
Der Referent ging dabei von zwei Ebenen aus, nämlich der Ebene der direkten Praxisarbeit sowie der institutionellen Ebene.
In der praktischen Arbeit dürfe im Dialog mit den Angehörigen nie der Betroffene außer Acht gelassen werden, auch wenn dieser nicht anwesend sei.
Erst der zweite Paradigmenwechsel in der Psychiatrie – lange nach der ersten Verwendung von Psychopharmaka – bewirkte die Öffnung der psychiatrischen Anstalten. Durch den Abbau der Schranken entstand die Notwendigkeit, mit Betroffenen und Angehörigen in Verbindung zu treten, um ein gemeinsames Gesundungskonzept entwickeln zu können.
Im Mittelpunkt der Dialogfähigkeit sei die Psychoedukation, die eine gemeinsame Sprache ermögliche. Empowerment und die Recoverybewegung bieten moderne sozialpsychiatrische Entwicklungsansätze, die die Eigenständigkeit von Betroffenen und Angehörigen gewährleisten und einen intensiven Dialog mit den professionellen Helfern ermöglichen würden..
Auf institutioneller Ebene sieht Dr. Weiskopf eine fruchtbare Zusammenarbeit seit der Gründung von HPE Vorarlberg vor mehr als 10 Jahren.
Am Ende unserer Jahreshauptversammlung bedankte sich Landtagsvizepräsidentin Dr. Gabriele Nußbaumer im Namen des Landeshauptmanns und wünschte uns allen weiterhin viel Erfolg. Unsere Anliegen werde sie gerne weiterleiten. |