Aufenthalte in der Psychiatrie

Dieses Thema im Forum "Trialog" wurde erstellt von Seelenfrieden, 22. Jan. 2019.

  1. Seelenfrieden

    Seelenfrieden New Member

    Meine Tochter (42) wurde nun schon 5 x stationär in der Behinderten-Psychiatrie aufgenommen. Die Aufenthalte dauerten zwischen 2 und 15 Wochen. Ihre geistige Behinderung erkannte man schon mit 3 Jahren. (Hirnhautentzündung) Nach Kindergarten und Sonderschule machte sie das "Polytechnische Lehrjahr" und wiederholte dieses. Eine Berufsausbildung zu finden war aussichtslos also kam sie in eine Behinderten-Werkstätte. Dort gab es Streit mit einer Betreuerin und so wechselte sie in eine andere Werkstätte, die sie nun schon über 20 Jahre gerne besucht. Bis 2013 lebte sie bei mir (Mutter). Um ihre Zukunft ohne mich zu sichern, zog sie in eine hübsche, kleine Wohnung und wir richteten "Teilbetreuung" ein. Leider war diese Betreuung viel zu wenig für sie und ich war weiterhin an ihrer Seite , um sie zu unterstützen. (Ich bin auch Sachwalter) Dann kam die erste Psychose, die schlimm war und auch mich unerwartet traf. Meine Tochter wurde mit der Rettung auf eine Behinderten-Psychiatrie gebracht und blieb dort 1 Monat. Danach wurde sie als "wieder hergestellt" und stabil entlassen. Aber nach 13 Monaten bekam sie eine noch schlimmere Psychose mit Armaufritzen und Gewaltattacken gegen mich. Diesmal wurde sie mit der Rettung und der Polizei wieder auf die Psychiatrie gebracht. Dieser Aufenthalt dauerte 5 Monate. Aber auch dieses Mal wurde sie wieder sehr stabil entlassen. Es wurde auf der Station viel gemacht: Medikamentenumstellung und Anwendung verschiedener Therapien, dann Einleitung mit Fahrtendienstbus von der Station in ihre Werkstätte. Nach der Schwere dieser Psychose und in Anbetracht, dass ich (Mutter) bereits 70 Jahre alt wurde, riet das Ärzte-Team mir dringend für meine Tochter einen vollbetreuten Wohnplatz in einem Behindertenheim zu suchen. Schweren Herzens willigte ich ein, da zufällig in einem Heim ein Platz frei wurde. Dort ist sie nun seit 5 Jahren. Erleichterung gab es noch keine, da sie noch 2 x wieder auf die Behinderten-Psychiatrie eingewiesen wurde. Sie hörte nun auch "Stimmen", die ihr das Essen verboten. Sie nahm viel ab. Auf der Station hat man sich sehr um sie bemüht und sie langsam wieder zum Essen gebracht. Wieder gab es ein großes Angebot an Therapie-Stunden, das meine Tochter gerne angenommen hat. Sie wurde wieder in ihre WG entlassen und es ging ihr recht gut. Aber ein neuerlicher Aufenthalt auf der Station war von Nöten, da sie Blasenentleerungsstörungen (Nierenprobleme) bekam und einen Dauer-Blasenkatheter tragen musste. Die Stimmen hört sie außerdem noch aber oft auch nicht mehr. Auch bei diesem Aufenthalt wurde meiner Tochter sehr geholfen. Ich bin dem Ärzte/Pfleger-Team sehr dankbar für die lange und gewissenhafte Pflege auf der Station. Meine Tochter wurde gerade wieder (ohne Katheter) entlassen und wohnt wieder in ihrer WG und besucht wieder ihre Werkstätte. Für Nachkontrollen wird gesorgt.
    Diese Zeilen schreibe ich für alle Betroffenen und ihre Angehörigen, um ihnen zu zeigen, dass man keine Angst vor einer stationären Aufnahme in eine Psychiatrie (in meinem Fall Behinderten-Psychiatrie) haben muss. Ich habe ein professionelles Team von Ärzten, Pflegern und Therapeuten erlebt, das sich gewissenhaft
    um den Patienten kümmert.
    Glotti und ping-pong gefällt das.
  2. hpe_dorninger

    hpe_dorninger Moderatorin Mitarbeiter

    Liebe Seelenfrieden!

    Herzlichen Dank für Ihren Beitrag und die mut-machenden Zeilen!

    Liebe Grüße,
    Birgit Dorninger-Bergner